Mexiko

Baja California: Mexicali – San Felipe – La Paz, 5.12.004

Am 18.11.2004 – einen Tag später als im Reisepass stand – haben wir die USA verlassen und sind über Calexico (Kalifornien) nach Mexicali in Mexiko eingereist.

Die Einreise nach Mexiko war insgesamt relativ einfach. Wir hätten sogar ohne Stopp einfach über die Grenze fahren können, aber wir dachten uns, dass es vielleicht sinnvoll wäre, „legal“ im Land zu sein. Wir mussten uns also selber darum kümmern, dass wir einen Stempel im Pass und somit die Aufenthaltsgenehmigung für 90 Tage bekamen. Außerdem brauchten wir eine temporäre Importbescheinigung für unsere Motorräder. Alles in allem war es nur etwas zeitaufwendig und wir mussten in der großen, chaotischen, stinkigen und staubigen Industrie- und Grenzstadt Mexicali im Dunkeln ein Motel suchen. Zum Glück war das dann ganz in der Nähe des Suzukihändlers, mit dem Henno über das Internet schon Kontakt aufgenommen hatte. Dort konnte endlich die ziemlich siffende Zylinderfußdichtung der Freewind erneuert werden. Aus finanziellen Gründen wollten wir das in Mexiko machen lassen, was uns auch etwa 250$ U.S. gespart hat. Die Leute im Suzukiladen waren wirklich super nett und hilfsbereit. Der Mechaniker, der an der Suzuki gearbeitet hat, hieß auch Alex und hatte ein Arbeitshemd mit Namensaufdruck an. Als Henno ihn beim Verabschieden aus Spaß gefragt hatte, ob er nicht ein Hemd mit „Alex“ drauf entbehren könne, hatte dieser sein Hemd innerhalb von Sekunden ausgezogen und mir in die Hand gedrückt. Uns war das etwas unangenehm, aber hätten wir das Geschenk abgelehnt, wäre das wahrscheinlich total unhöflich gewesen?! Während an der Suzuki gearbeitet wurde, haben wir auch schon unsere erste Polizeiverfolgung – natürlich mit gezückten Waffen…- in Mexiko mitbekommen.

Es ist schon krass, wie anders hier in Mexiko alles ist, obwohl wir keine 10km von den USA entfernt sind! Überall liegt Müll rum, nur die Hauptstraßen sind asphaltiert, alles ist viel billiger, Motorradfahren gleicht eher einem Glücksspiel als dass es wirklich Spaß macht, jede Menge streunende Hunde, viele arme Menschen …. An roten Ampeln versuchen arme und/oder behinderte Menschen Obst und Schnickschnack zu verkaufen. Uns haben sie bis jetzt in Ruhe gelassen; vielleicht haben sie gesehen, dass wir eh keinen Platz haben!? Auf den Straßen sind in unregelmäßigen Abständen mexikanische Militärkontrollen, die nach „drogas y armas“ suchen. Bis jetzt wurden wir immer durch gewunken, aber es ist schon ein mulmiges Gefühl, wenn etwa 15-jährige schwerbewaffnet vor einem stehen!

Bei schönstem Wetter sind wir an der Ostküste der Baja California, die übrigens DAS Urlaubsziel der Kalifornier ist, Richtung Süden gefahren. Ein paar Kilometer hinter San Felipe haben wir einen sehr schönen Campingplatz direkt am Meer gefunden, wo wir 1-2 Nächte bleiben und einfach nur mal Urlaub machen wollten. Leider hat das Wetter nicht ganz mitgespielt und an unserem ersten geplanten Strandtag war es total windig und es wurde richtig frisch. Am nächsten Tag hat es sogar etwas geregnet; damit hatten wir in Mexiko ja gar nicht gerechnet! Wir blieben aber hartnäckig auf unserem Platz und hatten nach 2 Tagen wieder Sonne und es wurde jeden Tag ein bisschen wärmer. Mittlerweile hatten wir uns auch mit den anderen (natürlich amerikanischen) Campingplatzgästen (ca. 6-8 Parteien) angefreundet, die uns auch zu ihrem traditionellen Thanksgiving-Festmahl (25.November) mit üppigem Buffett eingeladen hatten. Ansonsten haben wir die Zeit mit Faulenzen und ersten Trockenübungen zum Kitesurfen mit unserem Privatlehrer Andy verbracht.

Nach ein paar Tagen kam eine deutsche Familie (Hartmut, Brigitte, Silke, Simone), die in L.A. wohnt, auf den Campingplatz, mit der wir ab sofort unsere Abende am Feuer verbracht haben.

Es war echt sehr schön und familiär dort und wir sind insgesamt eine Woche geblieben.

Schließlich ging es weiter an der Ostküste entlang gen Süden. Wir wurden sehr viel vor der bevorstehenden Strecke gewarnt, aber da dies die einzige Straße an der Ostseite der Baja war, sind wir dort auch weiter gefahren. Die „Straße“ war eine ziemlich üble, ca. 150km lange Schotterpiste durch die Wüste, wechselweise mit dicken Steinen, Sand und „Wellblech“.

Wir sind mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 15-25km/h – meistens im 1. Gang – gefahren und haben demnach fast 3 Tage gebraucht. Es hat echt keinen Spaß gemacht!! Zumal noch ein richtig kalter Nordwind dazu kam, der uns kräftig um die Ohren geweht ist. Die Landschaft neben der Strecke war sehr schön und vor allem interessant: Wüste mit bis 5m hohe Kakteen, immer der Blick auf’s Meer… Außerdem standen ziemlich viele Autowracks und Kreuze am Wegrand. Unsere Nächte haben wir am Strand, einmal im Schutz einer Bruchbude, einmal auf einem schönen Campingplatz verbracht. Aber beide Male hat uns der kalte Wind fast weggeweht. Bis auf 2 kleine „Ausrutscher“ im Sand von Heiko und mir haben wir die Strecke aber gut überstanden und die Moppeds waren mindestens genauso froh wie wir, als wir mit Hwy. 1 endlich wieder Asphalt unter den Füßen hatten!

Es ging also weiter nach Süden, durch die interessante Wüstenlandschaft der Baja California mit großen Kakteen ohne Ende.

Der Wind war mittlerweile so kalt, dass wir von Innenfutter und Heizgriffen Gebrauch machen mussten! Aber es konnte ja nur besser werden! In Mulege haben wir Vance kennengelernt. Einen BMW-Fahrer aus Oregon, der uns eingeladen hat, mit ihm in seiner Palapa zu wohnen, die er für eine Woche gemietet hatte.

Es war echt schön: direkt am Wasser, nur 5m von uns entfernt haben Pelikane nach Fischen gejagt… Genial!!

In 19 Tagen ist Weihnachten, was bei Palmen und Meer um einen rum nur schwer vorstellbar ist! Obwohl die Mexikaner mit dem Weihnachtsschmuck auch nicht geizen… auch hier klettern Weihnachtsmänner an den Hauswänden hoch und in den Wohnzimmern stehen schon geschmückte Bäume. Wo wir Weihnachten verbringen werden, wissen wir noch nicht. Wir lassen uns einfach mal treiben…

Mittlerweile sind wir in La Paz, einer sehr reichen und – wie wir finden – schönen mexikanischen Stadt. Wir haben uns hier auch noch mal den Luxus eines Campingplatzes mit heißen Duschen gegönnt!! Von hier geht es in den nächsten 2-3 Tagen ganz in den Süden der Baja, nach Cabo San Lucas, wo wir eine Anlaufstelle haben. Bis wir die Baja verlassen wird alles noch sehr amerikanisch sein. Teilweise hat man hat das Gefühl, es gibt hier mehr Amerikaner als Mexikaner. Auch der amerikanische Dollar ist noch die bestimmende Währung und die Waschmaschine schluckt nur amerikanische Quarter.

Ansonsten läuft alles nach „Plan“, die Suzuki hat die 50tkm Marke überschritten und läuft nach der Reparatur quasi wieder wie neu, nur an der BMW streikt seit der Schotterpiste der Anlasser und der Henno übt sich im Ankicken…

Jetzt hattet ihr aber erst mal wieder genug zu lesen! Wir verabschieden uns und wünschen euch eine schöne und möglichst stressfreie Vorweihnachtszeit! Trinkt etwas Glühwein und esst Weihnachtsgebäck für uns mit!! Das vermissen wir ja schon…!

Eure Alex und Henno

Baja California – Mexiko Festland: Guanajuato – Guadalajara – Oaxaca, 5.1.2005

Es kommt uns vor, als wären wir schon ewig von der Baja California runter, dabei sind es gerade mal 3 Wochen! Es war wirklich noch sehr erholsam: von dem schönen Städtchen La Paz sind wir im Osten der Halbinsel ganz in den Süden nach Cabo San Lucas gefahren. Davon waren wir nicht wirklich angetan: es ist wie Mallorca für reiche Amis, nur alles wesentlich neuer. Uns hat nicht viel dort gehalten und wir sind im Westen wieder etwas in Richtung Norden gefahren, wo wir bei Todos Santos (dort steht übrigens auch das von den Eagles besungene „Hotel California“) im „The Great Escape“ untergekommen sind. Die Ferienwohnung, in der wir dort 5 Tage gewohnt haben, gehört Freunden von Jen und Erick (wo wir in Astoria, Oregon waren), so dass wir nichts zahlen mussten. Wir haben dort bei etwa 25°C unsere ersten Strandtage der Reise genossen, haben die Wellen zum Bodyboarden genutzt und uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.

Wenn ihr mal nachgucken wollt, wo genau wir es uns so gut gehen lassen haben oder ihr selber einen Trip auf die Baja California plant – sehr empfehlenswert: http://www.thegreatescapebaja.com. Da einer der Besitzer kurz zuvor in den USA war und uns eine neue Kamera mitgebracht hat, können wir jetzt auch endlich wieder fleißig Dias machen (unsere Kamera hatten wir ja in San Francisco „verloren“)!

Wieder in La Paz haben wir am 16.12.2004 die Fähre nach Topolobampo auf das mexikanische Festland genommen. Hier wurde es dann auch schlagartig „richtig“ mexikanisch im Gegensatz zur Baja. Kaum einer spricht mehr englisch, die Preise stehen nicht mehr in US Dollar angeschlagen und es ist viel billiger! Allerdings haben wir auch festgestellt, dass der hygienische Standard weniger hoch ist: viele kleinere Restaurants haben kein fließendes Wasser, gespült wird in einem Eimer mit Wasser und auch neben dem Klo steht ein Eimer zum Wassernachschütten. Fleisch, das in Form von halben Tieren zu diesen Restaurants geliefert wird, lagert auf der offenen Ladefläche eines Pickup-Trucks, verstaubt und voller Fliegen. Den Jungs schmeckt’s aber trotzdem…

Bei Mazatlan haben wir die Küste verlassen und sind eine sehr schöne kurvige Straße mit wahnsinnig schöner Aussicht durch die Sierra Madre Occidental nach Durango gefahren. Auf etwa 2800m Höhe wurde es richtig kalt, statt Kakteen gab es wieder dichte Kiefernwälder, Häuser, die aus Holz gebaut sind und Städte und Dörfer, die von den heizenden Holzöfen total verqualmt sind. Der totale Kontrast zu den Wüstengegenden der Wochen vorher, wo kaum etwas wächst. In dieser Region scheinen nicht häufig Touristen zu sein. Jedenfalls wurden wir vor allem von den Kindern angeguckt wie Menschen vom Mars! Es ist aber jedes Mal ein schönes Gefühl, wenn man die Kinder mit einem Lächeln oder Winken aus der Reserve locken kann und sie fröhlich zurückwinken! Auch hier fällt uns wie schon auf der Baja California immer wieder auf, dass wir anders behandelt werden, wenn wir den Mexikanern klar machen, dass wir keine Gringos, also Amerikaner sind. Auch unsere Versuche uns auf spanisch verständlich zu machen, bringen uns immer einige Sympathiepunkte ein.

In Sombrerete, einem Städtchen, das in keinem Mexikoführer erwähnt wird, aber trotzdem sehr schön ist, haben wir von einem Pfarrer einen Crashkurs in mexikanischen weihnachtlichen Traditionen erhalten. Er hat uns durch die Kathedrale geführt, und uns die „Posadas“ (die in den Straßen nachgespielte Unterkunftssuche von Maria uns Josef) erklärt. Übrigens trinkt man hier in der Vorweihnachtszeit auch einen Art Glühwein (allerdings meistens ohne Alkohol….)!

Unser Weihnachtsfest haben wir in Guanajuato, einer sehr schönen und bunten Stadt etwa 500km nordwestlich von Mexiko Stadt verbracht. Nachdem es einige Probleme mit der sicheren (und günstigen) Unterbringung unsere Moppeds gegeben hatte, haben wir sie letztendlich in der Küche des Hostels untergebracht.

Wir haben 4 Tage in Guanajuato bei schönstem Wetter die gemütliche Atmosphäre der Stadt genossen, sind viel rumgelaufen und haben uns Plazas, Kirchen und kleine Gässchen angeguckt. Da unter der kompletten Stadt ein wirres Tunnelsystem für den starken Autoverkehr verläuft, war es besonders angenehm, dass wir so zentral gewohnt haben und die Moppeds die ganze Zeit in der Küche stehen lassen konnten. Heiligabend haben Henno, Heiko, Sarah (eine Australierin, die auch im Hostel gewohnt hat) und ich zusammen gekocht und gegessen und waren anschließend in der schönen Basilika der Stadt in der Weihnachtsmesse, die aber mindestens genauso langweilig und öde wie eine katholische Messe in Deutschland war.

Von Guanajuato aus ging es in die ca. 4Mio. Stadt (geschätzte Zahl) Guadalajara, wo in einem Hostel schon Reifen von Heidenau (dickes Lob, hat wieder super geklappt!) auf uns gewartet haben! Nach 14.500km war vor allem der Hinterreifen ganz gut runtergefahren. Wir haben die Reifen in einer kleinen Reifenwerkstatt („Llantera“) wechseln lassen, was uns pro Reifen 20Pesos (ca. 1,40Euro!!) gekostet hat. Den Reifen Ein- und Ausbau haben wir allerdings selber gemacht.

Nach Guanajuato hatten wir schon genug vom Sightseeing in der Stadt, so dass wir uns von Guadalajara gar nicht viel angeguckt haben. Stattdessen haben wir einen Busausflug nach Tequila gemacht, wo wir gelernt haben, wie aus Agavenherzen Tequila gemacht wird und welcher am besten schmeckt!

War ein lehrreicher und spaßiger Tag, aber nach insgesamt 4 Stunden Hin- und Rückfahrt im unbequemen Bus auf mexikanischen Straßen haben Henno und ich beschlossen, dass so eine längere Busreise definitiv nichts für uns wäre! Mit den Moppeds ist man einfach ungebundener!

Hinter Guadalajara haben wir das erste mal seit Wochen wieder unser Zelt aufgeschlagen (das war in den Städten nicht möglich, dort waren wir in Motels oder Hostels) und das in etwa 2500m Höhe, so dass es nachts bis ca. -8°C kalt war! Im Zelt war es knapp über 0°, als wir aufgewacht sind. Abends waren wir noch in einer der natürlichen heißen Quellen, die es dort gab, schwimmen und hatten unsere Badesachen über Nacht zum „trocknen“ aufgehangen. Am nächsten Morgen war alles gefroren und wir konnten sie hinstellen!

Morgens wollten wir noch mal in die Therme und mussten uns bei ca. 4° Außentemperatur in die noch gefrorenen Badesachen quälen…. DAS war kalt!! Aber in der Therme konnten wir uns zum Glück wieder aufwärmen.

Unser nächster Stopp war das Schmetterlingsrefugium bei Morelia (ca. 300km westl. von Mexiko), wo Monarchen Schmetterlinge aus Kanada und den USA überwintern. Es war wirklich schön: Millionen von schwarz-orange gestreiften Schmetterlingen um uns rum! Kaum vorstellbar, wie diese zarten Tiere von Kanada in den Süden Mexikos fliegen!

Da wir – wie gesagt – nicht so auf große Städte mit viel Verkehr, Gestank und Lärm stehen, haben wir Mexiko Stadt in großem Bogen umfahren und uns ihre Dunstglocke nur aus der Ferne angeschaut. Das hat uns gereicht. Statt dessen ging es auf kurvigen Strassen durch die Berge, durch kleine bunte Örtchen und wunderschöne Landschaft in die wesentlich kleinere und farbenfrohe Stadt Oaxaca, die wir in den nächsten 2-3 Tagen erkunden werden. Wir haben schon festgestellt, dass sich die Esskultur hier etwas gewandelt hat und neugierig wie wir sind, probieren wir auch fast alles. Aber frittierte Heuschrecken werden wohl nicht unser Lieblingssnack werden!

Damit ihr euch vorstellen könnt, was wir hier so erleben, werden wir jetzt mal ein paar Eindrücke und Erlebnisse, die wir bisher in diesem Land gesammelt haben, aufschreiben:

Die Menschen, die wir bisher kennen gelernt haben, waren alle unheimlich nett und hilfsbereit! Vielleicht helfen uns ja tatsächlich die Deutschlandflagge hinten an Henno’s BMW und unsere „ALEMANIA“-Aufkleber auf dem Windschild unserer Moppeds?! Viele (licht-)hupen und winken, wenn sie uns sehen, was am Anfang ziemlich irritiert hat. Es ist schon vorgekommen, dass Leute auf der Autobahn neben uns gefahren sind, um uns zu fragen, ob wir wirklich aus Alemania sind. Nachdem wir das bestätigen konnten, haben sie uns dazu gratuliert und sind weitergefahren. Leider ist unser (vor allem mein) Spanisch noch nicht so gut, dass wir uns groß mit den Leuten unterhalten können (Sprachkurs wird in Guatemala gemacht!)

Die Menschen sind hier auch unheimlich gläubig: jedes Mal, wenn sie an einer Kirche vorbeigehen oder -fahren, kreuzigen sie sich und die coolen Jugendlichen ziehen ihre (verkehrt herum getragene) Baseball-Kappe!

Das Motorradfahren hier in Mexiko ist definitiv anders als zu Hause oder in Nordamerika und wir müssen schon mehr aufpassen. Auf dem Land und in kleinen Orten müssen wir regelmäßig wegen Rindern, Pferden, Schafen, Ziegen, Eseln und vor allem Hunden bremsen oder ausweichen.

Bei den Hunden weiß man allerdings nie so genau, ob sie gleich kläffend auf einen zugelaufen kommen oder doch mit eingekniffenem Schwanz weglaufen. Bis jetzt haben wir aber zum Glück noch keine Bisswunden, was hoffentlich auch so bleibt. Ganz gemein sind aber „topes“, kleine, fast eckig gefahrene Huckel aus Asphalt zur Verkehrsberuhigung, die vor und in Orten die Geschwindigkeit bremsen sollen. Teilweise sind diese so hoch, dass wir alle drei schon bei Schritttempo aufgesetzt sind! Aber dafür ist der Motorschutz ja schließlich da. Meistens wird auf einen „tope“ hingewiesen, aber oft eben auch nicht und wir „warten“ noch drauf, dass wir mal mit 60km/h drüberfegen und einen ordentlichen Schlag abkriegen! Oft sind die Strassen eh so schlecht, dass es gar keinen Sinn macht, noch einen „tope“ dahinzubauen!

In den größeren Städten macht das Motorradfahren überhaupt keinen Spaß. Wir müssen uns immer etwas durchkämpfen, mit defensivem Fahrverhalten kommt man hier nicht weit! Die meisten Autos haben keine Brems- oder Blinklichter, so dass man doppelt aufpassen muss! Die Mexikaner überholen rechts und links, egal, ob da noch Straße geschweige denn Platz ist. Ampeln und Stop-Schilder sind oft von Bäumen zugewachsen oder mit Plakaten verhangen, also warten wir vorsichtshalber an den Kreuzungen erst mal ab, wie der Vordermann sich verhält. Aber rote Ampeln bedeuten wohl auch nicht unbedingt, dass man halten muss?! Außerdem muss man den Straßenbelag im Auge behalten, damit man nicht plötzlich in einem der Asphaltlöcher hängen bleibt. Insgesamt sind die Straßenverhältnisse bisher aber ok; von sehr gut, bis hin zu…na ja, man könnte es noch asphaltiert nennen. Das wichtigste Teil am Auto ist für die Mexikaner auf jeden Fall die Hupe, noch weit vor der Bremse… ein recht beängstigender Gedanke!

Sehr unterschiedlich ist die Art der Fortbewegungs- und Transportmittel: von schicken und neuen europäischen und amerikanischen Autos über Pickups mit 20 und 100ccm Moppeds mit bis zu 5 Mann Besatzung bis hin zu Eseln ist alles vertreten.

Bis jetzt haben wir viele eher reiche Städte gesehen (Guanajuato, Guadalajara, Morelia), wo es immer recht sauber (aber versmogt) war und viele wohlhabendere Mexikaner mit schicken Klamotten rumlaufen. Da fallen die wenigen, aber armen Kinder, die einen mit großen braunen Augen angucken und Geld wollen, erst recht auf. Wir haben übrigens auch schon einige Einheimische gesehen, die wegen der Luftverschmutzung einen Mundschutz tragen! Da verwirft man auch schnell die Idee, mal ne Runde laufen zu gehen…

In den ärmeren Städten ist es meistens ziemlich verstaubt, dreckig und es stinkt nach verbranntem Müll. Auch außerhalb dieser Städte liegt sehr viel Müll neben den Straßen, in dem die ganzen streunenden Hunde nach Nahrung suchen. Aus diesem Grund (und wegen der Bremsfaulheit der Mexikaner) sehen wir auch unheimlich viele tote Hunde am Straßenrand. Auch viele tote Katzen, einige Rinder, Pferde und Esel. Wirklich kein schöner Anblick!! Je nachdem, wo wir sind, liegt alle 3-4km ein totes Tier an oder auf der Straße. Bei 200km am Tag ist das schon ne ganze Menge!

Besonders interessant sind übrigens die Märkte, die es in jedem kleinen und großen Ort gibt. Dort wird einfach alles verkauft: Lebensmittel, Spielsachen, Klamotten, Kleinmöbel, Bastelware, CDs mit entsprechend lauter Hörprobe und dazwischen jede Menge Schund. Auf einem Markt lag der Kopf einer gerade geschlachteten Kuh. Das Fleisch wurde zum Verkauf ausgelegt, während sich ein Hund mit Heißhunger über die noch am Boden liegende Kuhhaut hergemacht hat. Auch Hühner und Schweine liegen gerupft bzw. gehäutet in ganzen Tieren auf den Ladentischen. Nicht wirklich was für mich als Vegetarierin…

Es ist schwer, all diese Eindrücke aufzuschreiben, aber so habt ihr zumindest einen kleinen Einblick bekommen können!? Von Oaxaca geht es erst mal wieder an die Pazifikküste und dann weiter Richtung Osten. Unsere nächsten größeren Stopps werden San Cristobal de las Casas, die Maya-Ruinen und die karibische Küste sein. Von dort geht es über Belize nach Guatemala. Wenn sich unsere Pläne nicht wieder kurzfristig ändern…!?

Noch ein Wort zu unseren Moppeds: Henno’s BMW und meine Suzuki laufen weiterhin super! Da seit der Baja California der Anlasser der BMW kaputt ist, wird Henno immer besser im Kickstarten. Bei den kalten Temperaturen in den Bergen kann es aber auch mal dauern, bis sie sich bequemt anzuspringen…

Auch uns geht es nach wie vor sehr gut! Obwohl wir an Straßenständen essen, sind wir noch nicht krank gewesen (toi toi toi!). Ein paar Vorsichtsmaßnahmen halten wir aber schon ein: z.B. trinken wir nur gekauftes Wasser und desinfizieren unser Obst und Gemüse bevor wir es essen! Sicher ist sicher!

Wir wünschen euch allen zum Abschluss noch ein frohes neues Jahr und schicken viele Grüße aus Oaxaca!

Eure Alex und Henno

Oaxaca – Chiapas – Yucatan – Belize – Guatemala, 24.2.2005:

Leider hat nach einer der Schotterpisten unser bisher treues Notebook den Geist aufgegeben, weshalb es diesmal mit dem Bericht etwas laenger gedauert hat. Ausserdem wissen wir noch nicht so genau, wie wir in Zukunft die Bilder verkleinern und Homepage-fertig machen werden. Die Internet-cafes haben ja nicht immer die Software, die wir brauchen. Deswegen sind in dem Bericht auch etwas weniger Fotos. Sorry!! Aber jetzt geht’s erst mal los mit „neuesten“ Neuigkeiten:

Wir haben noch ein paar schöne Tage in der recht großen, aber sehr relaxten Stadt Oaxaca verbracht. Henno hätte sogar noch fast seinen Anlasser repariert bekommen, weswegen wir noch einen Tag länger als „geplant“ geblieben sind, aber eben nur fast… Von Oaxaca sind wir über etwa 2000m hohe Berge, in denen dicke Wolken hingen, in den Süden an den Pazifik gefahren. Nach dem letzten Bergkamm waren wir plötzlich mitten im Regenwald! Es war echt schön: die Bäume und Pflanzen waren saftig grün, die Blüten knallrot, quietschgelb, kräftig lila und auch die Vögel hatten schöne und vor allem intensive Farben. Da wir auf einer sehr schmalen und kurvigen Straße unterwegs waren, konnten wir die Aussicht leider nicht wirklich genießen. So schöne Aussichtspunkte, auf die schon Kilometer im voraus hingewiesen wird wie in Nordamerika, gibt es hier in Mexiko nicht mehr. Viel zu schnell waren wir wieder unten, wo uns das erste mal auf der Tour richtig feucht-heißes Klima erwartete. Vorbei an kleinen Bananen- und Kaffeeplantagen ging es in der Nähe von Puerto Angel an den Pazifik, wo wir uns mal wieder einen kompletten Strandtag gegönnt haben! Aufgrund der starken Strömung (übersetzt hieß die Bucht „Strand des Todes“…) konnten wir aber nicht schwimmen gehen, sondern uns nur kurz im Wasser abkühlen. Was bei schwülen 35°C auch öfters notwendig war!

Unser nächstes Highlight war San Cristobal de Las Casas im Staat Chiapas, einigen vielleicht noch von den Bürgeraufständen von vor etwa 15 Jahren bekannt. San Cristobal war zwar sehr touristisch, aber auch sehr schön und vor allem bunt! Und wir dachten schon, die anderen Städte wären bunt gewesen?!

Die Häuser hier sind bunt gestrichen, die Menschen tragen ihre traditionellen bunten Trachten, die Marktstände mit Obst, Gemüse und selbsthergestellter Kleidung, Schmuck und Basteleien untermalen das farbenfrohe Leben noch. Auf der anderen Seite leben dort auch viele sehr arme Menschen. Kinder sitzen am Straßenrand und spielen ein Instrument bis sie vor Müdigkeit fast umkippen und alle paar Minuten versuchen vor allem Kinder, aber auch Erwachsene Geld von uns zu erbetteln oder bieten uns an, für 10 Pesos ein Foto von ihnen zu machen. Am Anfang hat man vor allem Mitleid, später ist man einfach nur genervt – vielleicht auch, weil man nicht weiß, wie man damit umgehen soll!? Aber das ist eben die andere Seite des Tourismus.

Von San Cristobal aus haben wir auch 2 kleine Dörfer besucht, in denen sich noch einige Riten der einheimischen Indios erhalten haben. So waren wir in einer von unzaehligen Kerzen verrauchten Kirche, die mit Piniennadeln ausgelegt war und in der die Indios auf dem Boden knieend vor unzähligen Kerzen beteten und weinten. Warum dort dazu in großen Mengen Pepsi Cola getrunken wurde, blieb uns allerdings ein Raetsel. So interessant es war, so unwohl haben wir uns auch gefühlt. Selten kamen wir uns so sehr wie ein Fremdkörper vor. Dazu kam natürlich noch, dass von San Cristobal aus ganze Busladungen Touristen hier her gekarrt werden, um sich dieses „Spektakel“ anschauen.

Nachdem wir in San Cristobal waren, ging es vorbei an den sehr schönen Wasserfällen „Agua Azul“ und „Mizol Ha“ Richtung Palenque, wo wir uns Maya-Ruinen angeguckt haben. Die Ruinen dort sind vor allem wegen ihrer Lage mitten im Regenwald interessant.

Palenque ist übrigens der regenreichste Ort Mexikos (bzw. der Erde, je nach Literatur) und wir hatten das erste mal seit Mitte November Regen! Wir haben auf einem Campingplatz direkt am Urwald gezeltet und wurden nachts durch lautes unheimliches Brüllen wachgehalten. Es klang etwa so, wie man sich das Brüllen riesiger Dinosaurier vorstellt. Na ja, in unserem Reiseführer haben wir gelesen, dass es sich um Brüllaffen gehandelt hat. Habt ihr die schon mal gehört?! Mittlerweile haben wir die Bruellaffen auch gesehen und finden es unglaublich, dass so kleine Tiere solche Laute von sich geben können!

Gleich nach Palenque haben wir uns noch die Ruinen von Uxmal und Chichen Itza angeguckt, die zwar besser freigelegt sind, aber in einer weniger beeinduckenden Umgebung liegen und uns nicht so imponiert haben. Vielleicht sind wir aber auch einfach nur Kulturbanausen und wissen die Ruinen nicht zu schätzen?! Wir hatten auf jeden Fall erst mal genug Kultur genossen und haben uns für ein paar Tage an der karibischen Küste etwa 200km südlich von Cancun bei Tulum die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Um uns rum Palmen mit leckeren Kokosnuessen, weißer Sandstrand und angenehm warmes türkisfarbenes Meer….traumhaft!

Wir haben dort Holger und Suzanna aus Bonn kennengelernt, die uns eine fast aktuelle Bild-Zeitung vermacht haben, die wir gemütlich am Strand lesen konnten. 🙂

Wir haben aber nicht nur abgehangen, sondern es genossen, uns endlich noch mal bewegen und etwas laufen und schwimmen gehen zu können! Außerdem haben Henno und ich einen Tauchgang zum Riff gemacht. Es war super schön, sich die Unterwasserwelt anzugucken!!

Eine kleine Schlechtwetterfront hat uns dann einen Tag früher als „geplant“ vom Strand vertrieben, nachdem der feine karibische Sand überall in den Klamotten hing.

Nach etwas ueber zwei Monaten haben wir Mexiko am 29.1.2005 verlassen und sind nach Belize eingereist. Unsere Erfahrungen in Mexico sind ohne Ausnahme positiv! Die Menschen waren immer sehr freundlich und hilfsbereit. Was auch manchmal von Nachteil war, z.B. wenn man einen Weg erfragt hat und von 5 verschiedenen Personen in 5 verschiedene Richtungen geschickt wurde. Aber es gilt als unhoeflich, keine Auskunft zu geben.

BELIZE

Nachdem wir uns langsam so ein bisschen ans Spanische gewoehnt hatten, wurde in Belize wieder englisch gesprochen. Allerdings hatte das englische starken Creole- und Garifunaeinfluss, (wird auch auf Jamaika gesprochen) was fuer uns teilweise kaum verstaendlich war. (Das Englische ist etwa vergleichbar mit dem aus „Gentlemen“-Liedern, falls euch das was sagt…). Der US Dollar ist mit dem Belizianischen Dollar offizielle Waehrung in Belize.

Im Immigration office wurden wir gleich mit einem herzlichen „ey, what’s up, mon?“ begruesst. Die Einreise selber verlief wieder sehr problemlos. Nur kurz hinter der Grenze wurden wir von der Polizei wieder zurueck geschickt, weil wir keine Motorradversicherung hatten (die dort aber vorgeschrieben ist). Also sind wir umgekehrt und haben uns noch schnell eine Versicherung fuer einen Monat besorgt. Als wir dann wieder an den bewaffneten Polizisten vorbei wollten (mit Versicherungsunterlagen), wollten diese wissen, womit wir die Polizei denn „unterstuetzen“ wollten, schliesslich haetten sie uns auch vor Gericht bringen koennen, was uns 300-400 $US gekostet haette! Wir haetten auch die Differenz zwischen Versicherungspraemie und dieser Strafe zahlen koennen….naja, wir haben die Helme aufgesetzt, haben versucht, cool zu laecheln und sind gefahren. Geschossen wurde zwar nicht, aber uns war schon etwas mulmig zumute…

In Orange Walk, einer nicht wirklich schoenen Stadt im Norden von Belize, haben wir 2 Tage Pause gemacht und sind vom Motorrad auf ein kleines Booetchen umgestiegen. Durch einen wirren Fluss, den New River, mitten durch den Regenwald sind wir ca. 2 Stunden zu Maya Ruinen in Lamanai gefahren, die fuer uns allerdings weniger interessant waren. Wesentlich spannender fanden wir es, Krokodile, Schildkroeten, oben beschriebene Bruellaffen, die fuer ihre Stimmgewalt ganz schoen klein sind, und viele verschiedene Voegel in freier Wildbahn und aus naechster Naehe zu sehen!

Ueber teilweise wieder schlechte rote und sandige Schotterpisten (in Belize gibts eigentlich nur 3 asphaltierte Strassen), sind wir dann nach Placencia, eine Halbinsel in der Karibik gefahren. Auf einer dieser Pisten hat sich wohl auch unser Notebook verabschiedet. Eine Woche haben wir es uns in Placencia (mal wieder) gut gehen lassen, Kokosnuesse von den Palmen gepflueckt und „geschlachtet“ und den entspannten Lebensstil hier genossen.

Der Grossteil der Menschen hier ist farbig (was sehr ungewohnt ist), es laeuft Reggae-Musik, Schuhe braucht man eigentlich nicht und jeder kennt jeden in diesem kleinen Doerfchen. Vor allem wir waren ziemich bekannt, da uns bei der Hotelsuche scheinbar jeder gesehen hat und wir immer wieder als „DIE“ Motorradfahrer erkannt wurden. Ich habe hier auch meinen Tauchschein gemacht und wir haben 2m grosse Haie, Moraenen, Lobster und viele kleine bunte Fische gesehen. Wir haben also nicht nur faul in der Haengematte gelegen! Zwischen den Tauchgaengen haben wir auf einer Bilderbuch-Insel mittaggegessen: ca. 50 x 150m gross, weisser Sandstrand, Palmen…. wieder mal traumhaft!!!

Uebrigens wurden wir auch interviewt, es wird also demnaechst ein Artikel in der „Placencia-Breeze“ (www.placenciabreeze.com, ab Maerz wahrscheinlich) ueber uns erscheinen.

weiter in Mittelamerika

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