Kanada und Alaska

Mit knapp 5 Stunden Verspätung begann unsere Reise in Düsseldorf und wir sind nach einem „angenehmen“ Flug um ca. 2 Uhr Ortszeit in Toronto gelandet. Nach einer kurzen Nacht auf dem Boden im Ankunftsbereich, ging es um 7 Uhr endlich zum Cargo-Bereich (sehr lustig: zu Fuss mit unserem Gepäckwagen zwischen den ganzen riesen Trucks!!), um unsere Moppeds abzuholen !! Um es kurz zu machen: nachdem die Motorräder vom Agriculture Service (für 46,01can.$) auf Keimfreiheit usw. gecheckt wurden (sie waren aber auch wirklich sauber!!), konnten wir sie nach 5 stunden – was wirklich schnell ist!! – so wie wir sie abgegeben hatten, in Empfang nehmen. Das einzig Blöde waren die Lagergebühren von 233,28$ pro Tag, die wir für 2 Tage zahlen mussten…. Dafür haben uns die netten Menschen in dem Warenhaus tatkräftig beim Motorradzusammenbau unterstützt und die Paletten konnten wir auch einfach da stehen lassen. Letztendlich waren wir um etwa 16.30 Uhr auf der Strasse. Das war so ein geniales Gefühl, mit dem eigenen Mopped auf einer kanadischen Strasse zu fahren!!! Wir konnten das Grinsen im Gesicht gar nicht abstellen!! Nur an die Fahrweise der Kanadier und einige Regeln müssen wir uns noch gewöhnen…

Ein „Warning“ haben wir auch schon erhalten, als wir kurz vor dem Flughafen im absoluten Halteverbot geparkt hatten (mit dem Mopped „darf“ man das ja!?). Der zuständige Polizist fand die Idee nicht so gut und wollte uns ein Ticket ausstellen, aber als er das Nummernschild sah meinte er, er sei wahrscheinlich gar nicht „befugt“, einem Fahrzeug mit deutschem Kennzeichen ein Ticket auszustellen und beliess es bei einer Warnung… Sehr nett, so kann es weitergehen!!

Nach einem langen Tag kamen wir abends um 9 Uhr in Belleville, etwa 190km östlich von Toronto, an, wo wir uns für die nächsten Tage vom Reiseplanungsstress erholen und auf die nächsten Etappen vorbereiten werden…

Soviel zu unserem Start in Kanada! Macht es gut und vielen Dank für eure Gästebucheinträge!! Bis zum nächsten Bericht!!

Alex und Henno
Jetzt geht’s richtig los!

Nach unseren ersten 11 Tagen in Kanada ist es jetzt langsam Zeit, Belleville zu verlassen. Erst einmal ist Schluss mit BBQ und Feiern… Schade eigentlich, aber wir können schliesslich nicht jeden Tag sagen „bleiben wir doch noch einen Tag länger….“Auch der graue Himmel wird uns nicht weiter aufhalten, wenn Engel reisen wird es sowieso besser werden ;-))

Nachdem unsere Ausrüstung nun komplett ist – Zelt, Kocher und Wasserfilter haben noch gefehlt, wir den Jet-Lag überwunden haben (ist ein sicheres Zeichen, wenn man problemlos bis mittags schlafen kann, oder?!), soll es also endlich losgehen! Und zwar gleich (Sonntag, 18. Juli) nach einem eher späten Frühstück.

Unser 1. Ziel wird der Algonquin-Park nördlich von Belleville sein. Dieser wurde uns mehrmals empfohlen und da er nur etwa 3 Stunden Fahrt von hier entfernt ist, dachten wir, das dies eine ausreichend lange Strecke für unsere erste Etappe ist. Danach wird es weiter nach Nordwesten, entlang des Lake Superior via Thunder Bay und Winnipeg in Richtung Calgary gehen. Das ist zumindest der Plan, mal sehen, was sich noch unterwegs ändern wird!

Das ist der aktuelle Tachostand . Wir sind zwar schon hier ca. 400km gefahren, aber mit dem Kilometerstand starten wir gleich!

01.08.2004 Belleville – Rainbow Falls – Provincial Park

Seit Belleville sind wir nun das erste mal im Internet und wollen Euch kurz berichten, wie es uns bisher so ergangen ist: Nachdem wir letzte Woche Sonntag Belleville verlassen haben, sind wir erst mal nur bis Bancroft, ca. 150km nördlich von Belleville, gekommen, da es so geschüttet hat! Dort haben wir auch bemerkt, dass unser neues Zelt nicht ganz dicht ist. Seitdem hat es nicht wieder geregnet, aber wir werden berichten… Am nächsten Tag ging es dann in den Algonqin Park, wo wir auch 3 Nächte geblieben sind. Wir haben schöne Wanderungen durch die Wälder- und Seenlandschaft Canada’s gemacht. (Fotos folgen…) Alles wird nur etwas getrübt durch die ganzen Mücken, Horse Flies (Bremsen), Black Flies, Sand Flies, Deer Flies (??)… halt alles, was fliegen und stechen kann. Um ehrlich zu sein: zwischendurch ist es HORROR!!!! Ansonsten haben wir noch nicht viel vom „canadian wild life“ gesehen. Jede Menge Streifen- und Eichhörnchen, 2 Schwarzbären am Rand des Highways,!
aber noch kein einziges Moose (canad. Elch), obwohl die hier in Ontario ohne Ende rumlaufen sollen!
Im Algonquin Park haben wir eine sehr nette Familie kennen gelernt (Vater ist BMW-Liebhaber), die uns abends auf ein Bierchen und barbequed Marchmellows eingeladen haben – yummy!! Am Tag unserer Abreise haben sie uns noch ein 2. Frühstück mit Toast und Eiern (und Speck) serviert. Sehr lecker, wenn man sonst immer warme Getreidepampe hat… Naja, aber trotzdem musste es ja weitergehen!
Nach dem Algonquin Park ging es über Highway 60, 3, 141, 69, 17 (wer genauer nachschauen möchte) weiter Richtung Westen und Norden und wieder Westen um den Lake Huron. Im Grunde sind wir fast nur gefahren und haben so ab 17-18 Uhr unser Zelt auf einem der Campingplätze aufgeschlagen. Nach 18 Uhr sollte man sehr vorsichtig sein auf der Strasse, wegen der ganzen Moose!?! Und wir waren auch fast jeden Tag einkaufen. Es dauert doch, bis man „alles“ hat, was man so braucht! Unsere Ausrüstung sollte aber langsam komplett sein!!
Die bisher gefahrenen ca. 1500km haben unsere Moppeds ohne Mucken absolviert! So kann es gerne weitergehen!
Wie gesagt, geregnet hat es so gut wie nicht mehr, meistens scheint auch die Sonne, aber nachts waren es schon um die 10grad. Das ist ganz schön frisch!!
Im Moment sitzen wir in einer öffentlichen Bibliothek in Schreiber, einem 1700-Seelen Ort direkt am Lake Superior, 200km östlich von Thunder Bay. Eigentlich wollten wir heute morgen früh los und uns Thunder Bay angucken, aber gestern hat uns ein Pärchen (um die 50 J. alt) angequatscht, ob wir nicht Lust hätten, mit ihnen eine Bootstour auf dem Lake Superior zu machen. Gesagt – getan! War auch echt schön! Heute morgen waren wir um 8 Uhr mit ihnen auf dem See zum Fischen, aber da wir nichts gefangen haben, haben sie uns zum Frühstück eingeladen und quasi überredet, noch eine Nacht zu bleiben. Ja, deswegen sitzen wir jetzt hier, werden gleich noch an den Strand an einem der Seen gehen, uns die sonne auf den Bauch scheinen lassen und vielleicht gibt es ja heute Abend frischen Fisch??
Wir danken euch allen für die ganzen Gästebucheinträge und hoffen, weiterhin von euch zu hören! Wir werden auch unser bestes tun!! Hoffentlich lauft unser Notebook bald über die Motorradbatterie, damit wir in Ruhe (und in der Sonne 😉 ) schreiben und Bilder bearbeiten können!! Dafür müssen wir Hoffentlich nur einen Stecker austauschen. Wie gesagt, bis alles komplett ist…das dauert!
Bis bald und viele Grüsse von Alex und Henno!

06.08.2004 Weiter geht’s Richtung Calgary

Rainbow Falls Provincial Park – Brooks (200km östlich von Calgary), 2004-08-02

Nach unserem letzten Bericht aus Schreiber waren wir tatsächlich noch etwas im See schwimmen und danach bei unseren kurzzeitigen „Pflegeeltern“ Walter und Judy (die mit dem „Starboat Enterprise“) essen.

Walter hat uns auch mit unserem Elektrikkrams geholfen, so dass wir jetzt endlich ohne Probleme mit der Motorradbatterie unser Notebook ans Laufen bekommen. Nach einem leckeren Frühstück am nächsten Morgen musste es aber mal weiter gehen, was ganz schön schwer war, nachdem wir so verwöhnt worden waren! Dann ging es am riesigen Lake Superior – dem flächenmäßig größten Süßwassersee der Erde – entlang Richtung Thunder Bay. Von der Stadt haben wir nicht viel gesehen, da wir mal wieder spät dran waren und noch einen Campingplatz suchen mussten. Am nächsten Tag ging es weiter durch die wirklich schöne Landschaft Ontario’s: Wälder und Seen ohne Ende….

Auf unserem Campingplatz im Nestor Falls Prov. Park haben wir Evan, einen sehr witzigen BMW-Fahrer kennen gelernt, mit dem wir am nächsten Tag zusammen weiter gefahren sind. An dem Tag haben wir auch endlich den riesigen Staat Ontario verlassen und sind in Manitoba eingefahren. Hier hat sich die Umgebung ziemlich schnell verändert: aus den dichten Wäldern und den Seen wurde plattes Land und die Straßen gingen einfach nur ewig geradeaus. Ganz schön ermüdend, da zu fahren und außerdem werden die Reifen eckig!! Mit Evan haben wir auf einem Campingplatz nördlich von Winnipeg übernachtet, wo wir vor lauter Mücken kaum essen, geschweige denn in Ruhe ein Bierchen trinken konnten!

Am darauffolgenden Tag haben wir – wieder alleine, ohne Evan – ein bisschen kanadische Geschichte genossen. Wir haben uns ein altes Fort angeschaut, was auch echt interessant und nett gemacht war, da die (verkleideten) Mitarbeiter auf alle Fragen immer so geantwortet haben, als hätten wir wirklich das Jahr 1850! Aber die Geschichte hier ist ja höchstens 200 Jahre alt. Uns hat es gereicht…

In Manitoba hat uns nicht viel gehalten und es ging schon ziemlich bald weiter nach Sasketchewan. Hier war die Landschaft nicht viel spannender. Man konnte etwa 25km weit gucken und sah einfach nur Prärie, Felder, Viehweiden und sonst gar nichts. Es war auf seine Art schon schön, da Alles ganz weich gewellt war, aber nach 1-2 Stunden war das doch etwas langweilig. Teilweise sah´s aus wie der größte Golfplatz der Erde!

Seit heute Nachmittag sind wir im Staat Alberta, der endlich wieder richtig spannend werden soll. Morgen haben wir noch etwa 200km bis Calgary zu fahren und werden uns die Stadt mal genauer anschauen.

Wirklich viele Kilometer machen wir nicht, immer so zwischen 200km und 400km. Mit dem Auto ist das Reisen doch leichter! Man kann fahrender weise immer mal was essen oder trinken oder so. Beim Motorradfahren muss man für jeden Schluck Wasser anhalten und den Helm ausziehen… Auch bei jedem Foto, das wir machen, heißt es Motorrad abstellen, Handschuhe und Helm aus, das dauert halt immer. Außerdem hat unser Tag nur „23 Stunden“, da wir jeden Tag etwa 1 Stunde einfach nur mit Small Talk verbringen. Wir werden so oft an der Tankstelle, im Supermarkt oder einfach nur an der Ampel angequatscht wegen der Motorräder und der deutschen Nummernschilder. Viele haben Verwandte in Deutschland (wie Walter) oder sind Motorradfans (wie Sean). Die Leute sind immer super nett und hilfsbereit, aber manchmal würde man ihnen gern einfach nur ein Tape in die Hand drücken mit den üblichen Antworten, wie wir die Motorräder nach Kanada transportiert haben, was es kostet, wo wir hinwollen usw. Aber wir bleiben natürlich immer nett und freundlich und sagen unser Sätzchen auf. Teilweise sind wir wegen dieser „Geschichten“ dann auch eingeladen worden und haben den ein oder anderen guten Tipp bekommen.

Wettermäßig hatten wir bisher super viel Glück und 2-3 große Regengüsse so gerade verpasst. Na ja, dafür waren ja die ersten 2 Reisetage sehr nass gewesen! Unsere Moppeds laufen nach wie vor richtig gut und die Suzuki hat gestern die 30.000km-Grenze geknackt! Insgesamt sind wir hier schon etwas über 4000km gefahren.

Das Berichteschreiben ist etwas aufwendiger als wir uns das vorgestellt hatten, da es hier erst mal so gut wie keine Internet Cafés gibt – hat ja jeder einen Internetanschluss zu Hause – und die „public Libraries“ haben lange Warteschlangen. Außerdem darf man nur dort gekaufte Disketten verwenden, das heißt, dass wir nicht gemütlich am Lagerfeuer an unserem eigenen Rechner schreiben und alles auf Diskette speichern können. Mal sehen, wie wir das machen werden. Dann hat man ja auch nie Zeit, um mal in Ruhe was zu schreiben! Entweder ist es zu kalt und/oder nass für den alten Laptop oder die Mücken fressen einen halb auf oder man hat gerade neue Bekannte getroffen, mit denen man am Feuer sitzt und quatscht.

Nun zu uns: uns beiden geht es sehr gut, bis auf Henno`s Finger, den er sich mit unserem sehr guten Schweizer Messer (!) angeschnitten hat. Aber dank unserer gut ausgerüsteten Reiseapotheke, konnte ich ihn ganz gut verarzten und es geht dem Finger schon wieder besser. So langsam haben wir auch mehr Routine beim Zelt auf- und abbauen und sind nicht mehr die letzten, die den Campingplatz verlassen. Da wir mittlerweile auch schon die zweite Zeitzone durchquert haben – wir sind jetzt 8 Stunden hinter der deutschen Zeit – wachen wir sogar relativ früh auf!

Morgen geht es in den weltgrößten Dinosaurier Park, in den sogenannten Badlands und danach nach Calgary. In 2-3 Tagen weiter in die Rocky Mountains, auf die wir uns schon ziemlich freuen, endlich wieder Berge und Kurven!!

So, das war’s dann erst mal. Seid alle herzlichst gegrüßt, schreibt mal, was in Köln so passiert und bis bald!

Eure Alex und Henno

Calgary – Rocky Mountains (Banff/Jasper) – Dawson Creek – Alaska Highway – Watson Lake – Yukon River, 13.8.2004

Dann wollen wir mal von den letzten Tagen berichten…:

Auf dem Weg nach Calgary haben wir noch einen kleinen Zwischenstopp im Dinosaur Provincial Park, einem kleinen Canyon mitten in den Badlands (verdörrtes Grasland), gemacht.

Nach diesem landschaftlich sehr schönen Abstecher ging es nach Calgary. Wir haben 1,5 Tage in Calgary verbracht, uns zu Fuß die City angeschaut und empfanden die Stadt mit ihrer beeindruckenden Skyline sehr angenehm ruhig und relaxed.

Es ist schon eine richtige Cowboystadt, in der die Männer mit Cowboyhut und -stiefeln durch die Straßen laufen, was ja schon sehr witzig aussieht, wenn man das nur von Karneval kennt!! Vom Nachtleben haben wir leider nicht viel mitbekommen, weil an beiden Abenden recht starke Gewitter herrschten. Vom Calgary Tower (Fernsehturm) sahen die Blitze sehr beeindruckend aus, aber genau in der Richtung stand unser Zelt, das wir später klitschnass erreichten. Etwa 100km weiter im Norden ist in der Nacht ein Ort durch Unwetter verwüstet worden…

Bei wieder schönem Wetter haben wir uns am nächsten Tag den Calgary Olympic Park (Winterspiele 1988) angesehen, der im Winter als Trainingslager für alle möglichen Wintersportarten und im Sommer von downhill Mountainbiker genutzt wird. War echt interessant! Außerdem konnten wir vom Turm der Skisprungschanze schon die Konturen der Rocky Mountains erahnen!

In die ging es nämlich auf der nächsten Etappe. Unser erstes Ziel war der Banff National Park, wo wir uns endlich mal wieder sportlich betätigt haben und kräftig gewandert sind. Eine lange Wanderung ging an den Fuß von sechs zusammenlaufenden Gletschern. Schön, aber anstrengend! Außerdem haben wir jede Menge lachende Japaner und von den Touristen total überfütterte Streifenhörnchen gesehen.

Unsere nächste Nacht haben wir bei ca. 3°C am Fuße des Columbia Icefields, der mit anderen Gletschern die größte Eisfläche der Rockies bildet, verbracht. Dort haben wir sogar mitbekommen, wie ein Gletscher gekalbt hat! Jedenfalls hat es ziemlich laut gedonnert und weit über uns kam eine kleine Eislawine runter!

Den Gletscher haben wir natürlich am nächsten Morgen auch direkt bestiegen. Das ist echt Wahnsinn, was da los ist!

Jeden Tag werden bis zu 5000 Menschen (vor allem Japaner) mit speziellen Bussen auf die Eisfläche gefahren! Und trotz Warnhinweisen mit Beispielen unterschiedlichster Todesfälle gehen 3/4 aller Touris über die Absperrungen hinweg als wären sie gar nicht vorhanden.

Nach dem touristisch total überlaufenen Banff ging es über den Icefield Parkway entlang zahlreicher Gletscher in den ähnlich vollen Jasper National Park, wo wir in unsere ersten Hot Springs (natürliche warme Quellen) besuchten. Allerdings waren es nur 2 total überfüllte gekachelte Becken mit warmen Wasser, die auch nur zum Sitzen gedacht waren….

Die nächsten Etappen waren landschaftlich wenig spannend. Über den Highway 16 ging es über Hinton weiter auf der 40 nach Norden nach Grande Prairie. Dort hatten „wir“ dann unseren ersten Platten. Ich (Alex) hab mir eine Heftklammer (aber eine große – für Holz oder so!!) in den Reifen gefahren. Natürlich in den hinteren und natürlich 150 km hinter der letzten und 130 km vor der nächsten Stadt. Gut, dass wir das Reifen wechseln zu Hause geübt hatten! Es ging auch relativ flott, nur leider haben wir beim Einbauen den Ersatzschlauch kaputt gemacht. Also Loch flicken und doch den anderen Schlauch wieder rein. Zum Glück war schönes Wetter, aber mitten in der Pampa hat man doch ein bisschen Angst, dass mal ein Bär vorbei kommt (ist aber alles gut gegangen und der Reifen hält seit mittlerweile ca. 2000km!).

Da der Reifen am Anfang nicht richtig saß, bin ich die ersten Kilometer mehr gehoppelt als gefahren – sehr zu Henno’s Belustigung. Als „Entschädigung“ wurden wir abends von unseren Campingplatznachbarn zu Wein und Bier ans Campingfeuer eingeladen. Die hatten ein reisebus-großes Wohnmobil mit passend lackiertem PKW im Schlepptau. Drinnen war alles total protzig eingerichtet mit Mahagoniholz, kompletter Küche, Waschmaschine, Trockner usw… und wir daneben mit unserem immerhin 3-Mann-Zelt… Aber der Wein und das Bier waren lecker!

Am nächsten Tag kamen wir in den Staat British Columbia und dort nach Dawson Creek. Für uns deswegen so bedeutsam, weil dort der Beginn des legendären Alaska Highways ist. Trotz des relativ großen Bekanntheitsgrades der Straße ist sie gar nicht stark befahren. Auch die nächste Hot Spring, die wir besucht haben, war jetzt wesentlich angenehmer als die erste, weil sie sehr naturnah gelassen wurde und sehr wenig los war. Dafür war das Wasser fast zu heiß zum Baden!

Auf dem Alaska Highway haben wir auch wesentlich mehr Tiere an und auf der Straße gesehen. Die halten sich oft gern in der Nähe des Highways auf, weil zwischen Straße und Wald meistens ein 5 – 10m breites abgeholztes Stück ist, auf dem frischem Gras wächst. An einem Tag haben wir jede Menge Moose, Caribou (beides elchähnliche Tiere), Antilopen, einen Koyoten und Bergziegen gesehen. Am nächsten Tag steht ein riesen Büffel vor uns auf der Straße und ein paar Kilometer weiter grast eine Herde von 40 -50 Büffeln neben dem Highway. In dieser Situation säß man schon lieber in einem dicken Truck als auf einem Motorrad… Aber wir sind denen total egal.

Teilweise fühlt man sich echt wie im Zoo, nur das nicht dran steht, welches Tier gerade vor einem steht und man nicht so eine grandiose Kulisse als Hintergrund mit Bergen, Wäldern, Flüssen, Seen hat….

Übrigens darf man sich einen Highway nicht als große, autobahn-ähnliche Straße vorstellen. Ein Highway ist eine Straße außerhalb eines Ortes und verbindet zwei Orte miteinander. Bei Kilometer 1021 des Alaska Highway kamen wir – mittlerweile im Staat Yukon – nach Watson Lake, das für den „Sign Post Forest“ bekannt ist. 1942 hat ein Soldat, der am Bau des Alaska Highway mitgearbeitet hat, wegen Heimwehs ein Schild seiner Heimatstadt mit Kilometerangabe aufgestellt. Seitdem haben 1000e Touristen Schilder hinzugefügt. Mittlerweile sind es über 51.000 und Köln ist natürlich auch dabei! Und sogar Niederkassel: 8650km!

In Watson Lake haben wir den Alaska Highway verlassen und sind Richtung Norden auf den Robert Campbell Highway (Hwy 4)abgebogen, unsere erste richtige Schotterpiste – und das über fast 500km und 380km ohne Tankstelle! Eine Schotterpiste ist hier mal ein festgefahrener Erdweg, mal einfach nur Geröll – und das immer im Wechsel. Ganz schön anstrengend, wenn man das nicht gewohnt ist! wir haben uns auch fast auf die Nase gelegt, aber Fahrer und Motorräder haben es bisher bestens gemeistert, auch wenn jetzt alles ziemlich verdreckst und eingestaubt ist! Zwischendurch sind aber auch mal 200-300m asphaltiert, mitten in der Pampa und keiner weiß, warum!?

Die Umgebung ist innerhalb der letzten Tage schon sehr viel spannender geworden! Endlich mal Kurven, Schotterpisten und jede Menge zu sehen. Da geht die Zeit noch viel schneller rum als ohnehin schon! Kaum zu glauben, dass wir erst seit gut 4 Wochen „on the road“ sind! Auch die Campingplätze haben sich geändert: am Anfang gab es überall fließendes kaltes und heißes Wasser, mittlerweile gibt es meistens nur noch Plumpsklos, es wird sich im See oder Fluss gewaschen und das Trinkwasser filtert man sich auch aus dem nächsten Gewässer. Ein Anmeldebüro gibt es nicht. Registrierungszettel und Bezahlung kommen einfach in einen Briefkasten, alles auf Vertrauensbasis. Da überall vor Bären gewarnt wird, trauen wir uns nicht, unser Zelt irgendwo „wild“ aufzuschlagen.

Im Nordosten von British Columbia und in fast ganz Yukon sind wir den momentan herrschenden Waldbränden sehr nahe gewesen. Der Himmel wurde ziemlich trüb und verraucht und der Rauch war schon richtig beißend! Über eine Strecke von etwa 50km standen nur verkohlte Bäume rechts und links von der Straße und es qualmte aus mehreren Ecken des Waldes. Gesehen haben wir das Feuer aber nicht. Irgendwie erwartet man in so einer Situation Flugzeuge, die die Brände löschen, aber so was gab es nicht. Ist hier wohl zu alltäglich?!

Momentan ist es tagsüber richtig heiß, bis zu 30°C – und das auf demselben Breitengrad wie Oslo -, aber durch den ganzen Rauch kommt die Sonne gar nicht durch, sodass es hier in Yukon immer etwas diesig ist. Und sobald die Sonne weg ist, hier oben im Norden erst so richtig so um 23 Uhr, kühlt es sich auf ca. 5°C ab. Aus dem Grund liegen wir abends immer schon um 22 Uhr im Zelt – eingemummelt in unsere Schlafsäcke – und stehen um 7.30Uhr auf. Wer uns ein bisschen besser kennt, weiß, dass das nicht unsere üblichen Schlafenszeiten sind! Aber man passt sich irgendwie an.

Mittlerweile ist schon der 15. August – gut, dass wir Tagebuch schreiben, sonst hätten wir gar keinen Überblick, welcher Tag ist – aber bis jetzt hatten wir keine Möglichkeit, dem Jörg den Bericht zu schicken. Heute sind wir den Rest der Schotterpiste gefahren und mussten wegen eines Schwarzbären auf der Straße bremsen, aber er ist weggelaufen. Gut, dass er nicht wusste, wie viel Respekt wir vor ihm hatten. Schon unheimlich, so ein großes Tier 100m vor einem – OHNE Zaun!!

Über den Klondike Highway (Hwy 2) geht es morgen wieder in eine „größere“ Stadt (ca. 1500 Einwohner): Dawson City! DIE Goldgräberstadt Ende des 19. Jh. Dort werden wir unser Glück im Goldwaschen versuchen und endlich wieder mal ins Internet gehen und gucken, was es zu Hause so Neues gibt! Danach geht es über die Grenze nach Alaska und ihr könnt uns die Daumen drücken, dass uns die U.S. customer in ihr Land einreisen lassen….

Lasst es euch gut gehen und seid herzlichst gegrüßt von Henno und Alex

P.S.: Lieb, dass ihr nachfragt; Henno’s Finger geht es wieder bestens!!

Dawson City – Fairbanks – Dalton Highway – Deadhorse – Dalton Highway – Fairbanks – Kenai Peninsula, 30.8.2004

Wo waren wir stehen geblieben? …ach ja: Dawson City war eine ganz nette auf westernart aufgemachte Stadt, die fast nur aus Touristen bestand. Da die Hauptsaison aber schon so gut wie vorbei war, war es tourimäßig ok. An einem Abend waren wir im Saloon und haben uns die Can-Can-Mädels angeguckt, was echt Spaß gemacht hat. Ansonsten sind wir ein bisschen durch das Städtchen geschlendert, was zugegebenermaßen nicht sehr lange gedauert hat.

Beim Goldwaschen hatten wir leider keinen Erfolg. Dafür haben wir Pia und Poul, ein Pärchen aus Dänemark kennen gelernt, das schon über 4 Jahre mit einem Jeep auf Tour ist und da sie „gerade“ aus Süd- und Mittelamerika gekommen sind, konnten sie uns ein paar ganz gute Tipps geben. Die beiden haben uns auch wieder auf die Idee gebracht, den Dalton Highway in Alaska, ganz nach Norden an den Arktischen Ozean hoch zu fahren. Wir hatten diese Idee eigentlich verworfen, weil man den gleichen Weg hin und zurück fahren muss. Das wollten wir möglichst vermeiden. Na ja, wir sind insgesamt 2 Nächte in Dawson geblieben, wo es immer noch ziemlich rauchig von den Waldbränden war.

Dann ging es nach Alaska! Wir sind in Poker Creek, den nördlichsten Grenzübergang zwischen Kanada und den USA, über einen Pass in ca. 1400m Höhe gefahren. Die Grenze besteht aus einem Blechhäuschen mit einem US und einem kanadischen Grenzbeamten.

Trotz unserer Befürchtungen (kein Visum, kein Rückflugticket, eigene Moppeds) war der US-Grenzmensch wirklich sehr freundlich. Weiter ging es entlang eines Bergkammes mit sicherlich schöner Aussicht, wenn da nicht noch der Rauch gewesen wäre, der immer dichter wurde. Die Straße war schön kurvig, aber auch das konnten wir nicht wirklich genießen, da Schotter und schlechte Sicht keine gute Kombination sind. Die nächste Stadt hinter der Grenze ist Chicken mit ca. 30 Einwohnern. Eigentlich sollte die Stadt „Ptarmigan“ heißen, ein hühnerähnlicher Vogel, das Wahrzeichen von Alaska, aber die Einwohner konnten „Ptarmigan“ nicht buchstabieren, deshalb heißt die Stadt jetzt Chicken. Lustige Geschichte, oder?!

Nach einer kurzen Pause in Chicken ging es weiter über den „Top of the world“ Highway durch dichten Rauch und Feuer neben der Straße nach Tok. Hier haben wir gehört, dass wir gerade die schlimmsten Waldbrände, die Alaska jemals hatte, miterleben. Der Rauch hängt schon seit Mitte Juni über fast dem ganzen Staat Alaska.

Auf dem Weg nach Fairbanks waren wir übrigens noch auf einen Sprung in North Pole, wo ja bekanntlich der Weihnachtsmann sein zu Hause hat (was auch all-american-like genau so aufgemacht ist!). Weiter in Fairbanks war es dann vielleicht ein bisschen besser mit dem Rauch – oder wir hatten uns einfach schon dran gewöhnt. Dort haben wir uns bei der Touri-Info und Leuten, die „oben“ waren über die Straßen- und Feuersituation auf dem Dalton Highway erkundigt.

Der Dalton Highway ist eine insgesamt knapp 800km lange Straße, die den Polarkreis kreuzt und von diesem noch 480km weiter gen Norden nach Deadhorse/Prudhoe Bay geht. Wir wurden von den meisten gewarnt: schlimmer Straßenbelag, tiefe Schlaglöcher, LKWs, die große Steine hochschleudern (haben in Fairbanks darum so viele Fahrzeuge kaputte Windschutzscheiben??), dichter Rauch,… In der Touribroschüre steht, dass man 2 Ersatzreifen, Plastikfolie, wenn die Windschutzscheibe kaputt geht, mehrere Liter Wasserreserven usw. dabei haben sollte. Mit einem Mietwagen darf man den Highway nicht fahren, bzw. gilt dort die Versicherung nicht. Daraufhin dachten wir uns: „Jetzt erst recht!“ Freitag morgen ging’s los. Die Straße war ein kleines Abenteuer für sich, aber ich werde versuchen, mich kurz zu fassen.

Unsere erste Nacht haben wir nach ca. 200km am Yukon River verbracht. Weiter kamen wir nicht, weil die Straße wegen des Feuers gesperrt war. Aber am nächsten morgen konnten wir weiter. Keine Ahnung, warum die Straße freigegeben war. Wir dachten, Yukon war verraucht….hier war es viel schlimmer! Wir hatten in Fairbanks vorgesorgt und uns Atemschutzmasken geholt – zum Glück!

Der Rauch war stellenweise so dicht, dass man so gerade noch den Tachometer sehen konnte! Das war echt unheimlich! Aber es wurde besser. In Höhe des Polarkreises konnte man schon wieder 200m weit gucken! Und 2 Stunden später hatten wir klare Luft und blauen Himmel! Das erste Mal seit ca. 2 Wochen!!

Übernachtet haben wir an einem kleinen Bach in der Nähe der Straße. Das Warten auf die Nordlichter haben wir dann gegen Mitternacht aufgegeben, weil es immer noch viel zu hell war! Während Henno dann schön vor sich hingeschlummert hat, bin ich bei jedem Geräusch aufgeschreckt. Hätte ja ein Bär sein können! Unsere Küche mit unseren Lebensmitteln (linker Koffer an der Suzuki) hatten wir zwar etwas weiter weggestellt, aber wenn der Bär das nicht weiß!? Campingplätze gibt es am Dalton Highway übrigens nicht.

Am dritten Tag ging es weiter nach Norden. Nach etwa 2/3 der Strecke haben wir den 1400m hohen Atigun Pass überquert und dahinter begann die arktische Tundra. Wir hatten eine traumhaft schöne Sicht! Vor allem, weil gerade der Indian Summer beginnt!

Unser Zelt haben wir kurz vor Deadhorse in der Pampa aufgebaut und es war sooo kalt!

Als wir aufgewacht sind, waren es 2°C, dichter Nebel und Nieselregen. Traumhaftes Wetter zum Zelten und Moppedfahren… Wir sind dann bis Deadhorse gefahren. Diese Stadt besteht eigentlich nur aus den ganzen Menschen, die wegen der Ölfelder dort sind. Von dort sind es noch 18km bis Prudhoe Bay und zum Arktischen Ozean. Man kommt aber nur mit einer geführten Bustour für 37$ pro Person weiter, weil es durch die Ölfelder geht. Wir sind dann nur so weit gefahren, wie man mit dem eigenen Fahrzeug kommt. Unsere Reise nach Norden hat also vor einer Schranke geendet.

Aber dort beginnt die Panamericana und es geht jetzt nur noch nach Süden!

„Süden“ klang gut bei immer noch 2°C und Nebel! Also los! Der Nebel hat bis zum Pass angehalten und kurz danach fing es auch schon wieder mit dem Rauch an. Aber nicht mehr ganz so schlimm wie bei der „Hinfahrt“. Unsere nächste Nacht haben wir wieder an dem kleinen Bach verbracht. Auch diesmal ohne Bärenbesuch, aber kalt war es immer noch!

Am letzten Tag sind wir bis Fairbanks durchgefahren zu dem Campingplatz, wo wir vorher auch schon waren. Wir sind kurz nach Mitternacht angekommen und nach der langen kalten Fahrt und 5 Tage ohne Dusche gönnten wir uns noch mal den Luxus eines Campingplatzes mit heißer Dusche!

Insgesamt war die Strecke gar nicht so schlimm! 1/4 war „asphaltiert“, 1/2 war gut zu fahrende Schotterpiste und das andere 1/4 war tieferer Schotter und ein paar Schlaglöcher. Am schlimmsten war es aber, wenn sie wegen Straßenarbeiten die Schotter-Sandstrecke bewässert haben. Es war super rutschig und wir sahen aus wie Sau! Aber auf diese Weise konnten unsere Moppeds mal zeigen, dass sie nicht nur für die Straße geeignet sind! Auch die LKWs waren lange nicht so schlimm wie beschrieben. Das unangenehmste waren der dichte Rauch und die Feuer am Straßenrand. Na ja, und die Kälte. Aber was will man erwarten, wenn man durch den äußersten Norden Alaska’s reist?! Insgesamt war es bis jetzt auf jeden Fall der spannendste und schönste Teil unserer Reise!

Wegen Rauch und Nebel haben wir leider auch nicht viel „wildlife“ gesehen. Nur ein paar Caribou (Rentiere) und Moose. Dabei hätten wir so gerne die Moschusochsen gesehen! Die sehen auf Bildern echt klasse aus! Kennt ihr die? Wir kannten sie jedenfalls nicht.

Am Anfang des Dalton Highway’s haben wir übrigens noch Erick und Jennifer kennen gelernt, die auch mit dem Mopped (Harley natürlich) unterwegs waren. Kurz und gut, die beiden haben ein Hotel in Astoria, ganz im Nordwesten vom Staat Oregon und haben uns eingeladen! Dorthin werden wir auch von Heidenau den zweiten Satz Reifen schicken lassen. Man muss auch mal ein bisschen Glück haben, ne?!

Den Denali Park mit seinem Mount McKinley haben wir wegen schlechter Sicht (Rauch…) auf dem Weg nach Süden ohne längeren Aufenthalt nur durchquert. Mittlerweile sind wir südlich von Anchorage, auf der Kenai Peninsula, genauer in Seward, angelangt. Auf den letzten Kilometern hier hin sind wir am Pazifik entlang gefahren. Rechts neben uns der Pazifik und überall sonst Berge mit Gletschern.

Unsere Wanderung heute ging in den Kenai Fjords Nationalpark. Ca 6km ging es durch alle Vegetationsstufen bis in eine Geröllwüste ziemlich steil bergauf, immer mit Blick auf den „Exit Gletscher“. Aber die Mühe hat sich gelohnt! Als wir „oben“ angekommen waren, hatten wir eine atemberaubende Sicht auf einen riesige Gletscherfläche. So weit das Auge reichte nur Gletscher und ab und zu mal eine Bergspitze.

Super schön! Auch das Wetter hat mitgespielt: 15°C, Sonne und KEIN Rauch mehr!!

Es ist immer so schwer, zu beschreiben, was wir immer so erleben und sehen. Oft folgt ein schöner Eindruck dem nächsten – Wahnsinn! Es ist echt super schade, dass wir sonst von Alaska nicht so wirklich viel sehen konnten wegen des ganzen Rauches. Zum Glück hat er die Küste nicht ganz erreicht!

Die Moppeds haben bisher (fast 11tkm) wirklich ihr bestes gegeben! In Fairbanks haben wir die Kette bei der Freewind gewechselt, die es nach knapp 40.000km schwer nötig hatte! Und da wir schon mal dabei waren, haben wir bei beiden Motorrädern das Öl wechseln lassen. Das war es dann aber auch!

Das war’s dann erst mal wieder! Morgen geht es über Anchorage langsam wieder Richtung Kanada und dann an der Westküste weiter nach Süden. Wir senden euch viele liebe Grüße aus dem abends doch sehr frischen Alaska!!

Alex und Henno

Seward -Whitehorse – Vancouver Island, 29.9.2004

Seit wir Seward verlassen haben sind auch schon wieder in paar Wochen vergangen – kaum zu glauben, aber es gibt immer so viel zu tun, dass wir gar nicht zum Schreiben kommen! Es wird also Zeit, von den letzten Kilometern zu berichten:

In Seward haben wir noch eine „sea wildlife Tour“ gemacht, eine kleine Bootstour durch den Pazifik. War auch recht erfolgreich: Seeotter, die faul auf dem Rücken im Wasser lagen, Delphine, die ums Boot gesprungen sind, grunzende Seelöwen und schöne Puffins (Vögel) haben wir ganz ohne Zaun und Mauer drum sehen können. Hat richtig Spaß gemacht!

Aber dann ging es weiter; im Regen wieder Richtung Norden, bei Anchorage nach Nordosten auf den Glenn Highway. Von dort hatten wir noch mal schöne Aussichten auf Gletscher und langsam beginnenden Indian Summer.

Im Nordosten Alaskas sind wir noch mal auf Waldbrände und Rauch gestoßen, die dank des Regens aber lange nicht mehr so schlimm waren wie 2 Wochen vorher. Bei Tok ging es wieder auf den Alaska Hwy., auf dem wir in Beaver Creek haben – immer noch im Regen, aber ansonsten wieder ohne Probleme – die Grenze nach Yukon, Kanada überquert haben.

Tags darauf haben wir an einer Tankstelle in Whitehorse Rudi und Heiko getroffen. Die beiden fahren jeder eine BMW mit deutschem Kennzeichen, das fiel auf jeden Fall auf!! Heiko (33), ein eher ruhigerer, aber sehr netter Neusser ist seit Ende April unterwegs. Gestartet ist er in Alabama, von dort ging es über Chicago nach Halifax an der Ostküste Kanadas; er hat also schon ein paar Kilometerchen auf dem Tacho! In Halifax hat er sich mit seinem Reisekollegen Rudi getroffen. Rudi ist 69 (!!) und ein lustiger, sehr unterhaltsamer pensionierter Lehrer. Die beiden sind eine etwas andere Strecke als wir auch quer durch Kanada nach Alaska gefahren und hatten sich auch das Ziel „Feuerland“ gesetzt.

Da wir für die nächsten Tage die gleiche Reiseroute wie Heiko und Rudi geplant hatten, ging es also erst mal zu viert weiter. Zusammen sind wir bei immer noch anhaltendem Regen kurz vor Watson Lake nach Süden auf den Cassiar Hwy. (#37) abgebogen. Von weitem konnten wir schon sehen, dass die Schneefallgrenze auf den Bergen immer tiefer sank. Eigentlich ist es gar nicht so schlimm, mit Regenkombi im Regen zu fahren. Man kommt sogar schneller vorwärts, weil man nicht so oft (bis gar nicht) anhält, um die Aussicht zu genießen und Fotos zu machen. (Deshalb gibt es von der verregneten Gegend auch kaum Fotos…) Aber da vor allem der Hinterreifen von Henno und mir schon blank wie ein Kinderpopo war, waren wir doch ein bisschen besorgt auf den regennassen Straßen. Aber ist ja mal wieder alles gut gegangen!

Nach einer kalten Nacht auf einem kleinen Pass mussten wir unser Zelt sogar im Schneeregen, mit mehr Schnee als Regen, einpacken. Und es war wirklich eiskalt!! Mich hat eigentlich nur noch der Gedanke an Süden und wärmere Temperaturen weitergetrieben! Zumindest ein bisschen wärmer wurde es zum Glück auch schon bald.

Unsere nächste Station war Prince Rupert, von wo wir 4 die Fähre nach Port Hardy auf Vancouver Island nehmen wollten (…Reifen schonen…).

Die Fähre fuhr morgens um 7.30 Uhr los und wir mussten 2 Stunden vorher da sein – war also eine etwas kurze Nacht, die wir direkt am Hafen verbracht haben. Wir hatten von Vielen gehört, dass die 15 Stunden lange Fährfahrt durch eine unheimlich schöne Landschaft geht. Davon haben wir aber wegen Nebel und Regen leider nicht viel sehen können, sodass es ein langer Tag auf dem Schiff wurde.

Ziemlich platt kamen wir im Dunkeln um ca. 23.00 Uhr in Port Hardy an und wollten nur noch zum Campingplatz und schlafen. Kurz bevor wir dort angekommen sind, ist Rudi aber auf dem schmalen abschüssigen Schotterweg – zum Glück mit nur etwa 35km/h – gestürzt und hatte sofort ziemlich starke Schmerzen und Atemprobleme. Was nun?? Es war stockduster, wir wussten nicht, wo wir waren und wir brauchten schnell Hilfe. Während Heiko die Unfallstelle „abgesichert“ hat (seine BMW hat sogar eine Warnblinkanlage!), ich mich um Rudi gekümmert habe, ist Henno zum Campingplatz, hat alle wachgemacht und den Notarzt holen lassen. Der war 15 Minuten später da und hat den immer noch vor Schmerzen jammernden Rudi (und mich, da Rudi kaum englisch spricht) mitgenommen. Henno und Heiko haben sich in der Zeit um Rudi’s nicht mehr fahrtüchtiges Mopped gekümmert und kamen später ins Krankenhaus nach. Rudi hatte eine teilweise kollabierte (eingefallene) Lunge und wurde direkt behandelt. Wir sind zum Übersetzen und Beistand leisten bis nach der kleinen OP im Krankenhaus geblieben und lagen letztendlich um 4 Uhr todmüde im Zelt.

Dieser kleine Unfall hat uns auf jeden Fall gezeigt, wie schnell was passieren kann und wie wichtig es ist, dass man möglichst nicht alleine unterwegs ist!

Heiko, Henno und ich sind noch 3 Tage im dauerverregneten Port Hardy geblieben, haben Rudi besucht und uns darum gekümmert, dass Rudi’s Mopped nach Victoria kommt, wo der nächste BMW-Händler war. Die Leute vom Campingplatz waren echt nett und haben uns gut dabei geholfen. Übrigens hatten wir Bärenbesuch auf dem Campingplatz! Er war so nah am Zelt, dass wir ihn schnaufen hören konnten, aber die Vorräte in der Campingplatzküche haben ihn mehr interessiert als unser Zelt!

Zum Glück hatten wir (zufälligerweise) von Sean, den Henno und ich im Algonquin Park kennen gelernt hatten, die Telefonnummer von seinen Freunden Steve und Darlene in Victoria bekommen. Die hatten wiederum rumtelefoniert und uns eine Adresse für Rudi’s Mopped sagen können. Während Rudi im Krankenhaus genesen konnte, sind wir anderen 3 in 3 Tagesetappen die 500km lange Strecke nach Victoria gefahren. Teilweise brauchten wir sogar die Regenkombi nicht anzuziehen, was sehr ungewohnt war! Und wir konnten endlich ein bisschen von der schönen Umgebung sehen. (leider waren wir trotzdem sehr fotofaul…)

Um Campingkosten zu sparen, hatten uns Steve und Darlene angeboten, in ihrem Garten zu campen (im Haus war definitiv kein Platz mehr), aber ihre Nachbarn Barbara und John hatten noch Zimmer und Betten übrig und haben uns angeboten dort zu bleiben. („That’s better than camping in a backyard!!!!!“) Es ist echt Wahnsinn, was für nette und hilfsbereite Menschen wir teilweise treffen! So kamen wir dann das erste mal seit 2,5 Monaten in den Genuss, in einem Bett zu schlafen!! Am gleichen Abend konnten wir auch Rudi abholen, der in einer Tagesetappe mit dem Bus von Port Hardy nach Victoria gefahren war.

Insgesamt sind Heiko, Henno und ich eine Woche in Victoria -übrigens ein sehr schönes Städtchen – geblieben. Wir haben uns super gut mit Steve und Darlene und ihren 2 Kindern Gwennie (3 Jahre) und Gavyn (1,5) verstanden! Am Wochenende sind wir alle 4 mit zu Darlene’s Eltern (Don and Gwen), die einen Bauernhof mit Hühnern, Truthähnen, Schafen und Ziegen auf Thetis Island haben, gefahren.

War auch mal eine nette Abwechslung, morgens Hühnereier zu sammeln, Schafe zu Füttern, Obst zu pflücken und dabei den Pazifik direkt vor sich zu haben! Montags hieß es dann für Heiko, Henno und mich, Abschied zu nehmen, was uns nicht gerade leicht gefallen ist!

Rudi ist erst mal dort geblieben. Es geht ihm gesundheitlich wieder ganz gut, aber sein Motorrad musste doch nach Vancouver gebracht werden und wird dort repariert, wenn alle Teile aus Deutschland angekommen sind. Da es auf dieser Reise schon sein zweiter Unfall war, wird er seine Tour wohl irgendwo in Nordamerika beenden. Sein Plan ist es, bis San Francisco runter und dann ein Stück auf der Route 66 an die Ostküste zu fahren und von dort nach Deutschland zurück zu fliegen. Heiko wird mit uns beiden weiter fahren.

Weiter geht’s in den U. S. A.

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