Bolivien – Chile – Argentinien

Cusco – La Paz – Cochabamba – Sucre; 6.10.2005

So waren also unsere letzten Wochen:

Von Cusco aus ging es recht flott auf einer guten Straße über die Hochebene nach Puno am Titikakasee. Das größte Highlight dort war wahrscheinlich, dass ich Henno endlich davon überzeugen konnte, mal zum Friseur zu gehen. Also bitte keine Kommentare mehr wie „Zottel“, „Reinhold Messner“ oder ähnliche! 😉 Von Puno aus haben wir die schwimmenden Inseln der indigenen Uro-Menschen besucht. Dafür wurde eine bzw. mehrere Schiffsladungen voll von Touristen zu einer der komplett aus Schilf bestehenden Inseln gekarrt und wir konnten etwas über die Bauweise der Häuser und Inseln lernen und Souvenirs kaufen. Damit die Inseln nicht wirklich lose im See umherschwimmen, werden sie mit langen Pfählen an 4 Stellen auf dem Grund „befestigt“. Kommt es auf einer Insel zum Streit zwischen den Familien, baut sich eine Partei „einfach“ eine neue Insel und befestigt diese ein paar hundert Meter weiter.

Häuser, „Boden“, Boote, so ziemlich alles besteht aus Schilf, der auch gleichzeitig ein Nahrungsmittel ist. Ansonsten essen die Menschen viel Fisch und Wasservögel und fahren auch in den Ort (Puno), um sich vielseitig ernähren zu können. Energie erhalten sie durch kleine Solarzellen, die ihnen von der Regierung spendiert wurden. Es war schon sehr interessant, aber wir fühlen uns immer etwas als Eindringlinge, wenn wir einen so andersartigen Lebensraum betreten und alles bestaunen als wären wir im Zoo. Andererseits profitieren die Menschen dort von den Eintrittsgeldern der Touristen.

Puno war die letzte Stadt in Peru, bevor wie am 11. September 2005 die Grenze nach Bolivien überquert haben. Der Grenzübergang war wie immer kein Problem. Wir müssen nur immer wieder schmunzeln, wenn wir die Grenzmenschen aus ihrer Lethargie holen und sie mit einer großen alten Schreibmaschine die Daten der Motorräder in die Zollpapiere übertragen. Bisher waren alle Grenzübergänge in Südamerika gebührenfrei. Sie versuchen es aber öfter mal, uns ein paar „Soles“ oder „Bolivianos“ oder welche Währung auch immer gerade aktuell ist, gegen einen Stempel oder einfach nur so abzuknöpfen. Man muss eh immer alles ganz genau nachzählen beim Wechselgeld. Zu 90% kriegt man nämlich nicht genug zurück! Na ja, und die restlichen 10% bemerken wir vielleicht nicht?! Das bezieht sich allerdings auf ganz Lateinamerika; nicht nur auf Bolivien.

In Bolivien sind wir zuerst nach Copacabana am Titikakasee gefahren, wo wir mit mehreren Stunden ohne Strom und Wasser begrüßt wurden, da der Wind einen Strommast umgeknickt hatte. Copacabana ist ein sehr touristisches und bis auf die Kathedrale nicht sehr schönes kleines Städtchen, was wir vor allem als Ausgangspunkt für eine Bootstour zur „Isla del Sol“ genutzt haben. Die „Sonneninsel“, auf der es Inkaruinen gibt, war das Heiligtum der Inkas, da dort der Sage nach die ersten Inkas entstanden sind und dort deren Sonne geboren wurde.

Der See liegt auf 3850m und das Blau des Wassers und die Aussicht waren wirklich super schön! Allerdings auch recht frisch…

Als nächstes wollten wir es dann wirklich wagen, einen 6000er zu besteigen. Dafür hatten wir den 6088m hohen Huayna Potosí nördlich von La Paz ins Auge gefasst. Als wir in La Paz ankamen, hat es aber erst mal 2-3 Tage durchgeregnet bzw. geschneit (natürlich mal wieder total unnormal für diese Zeit). Da wir keine Lust hatten, im Schneegestöber auf den Berg zu steigen, haben wir ein paar Tage gewartet und uns die Stadt angeguckt. Das Zentrum von La Paz liegt in einem Tal und die Stadt hat sich zu allen Seiten hin bergaufwärts vergrößert, so dass La Paz auf einer Höhe von 3300m – 4000m liegt. Trotz der Größe ist die Stadt kaum westlich wie andere große Städte in Lateinamerika, was vielleicht auch an dem eher kalten Klima und der Höhe liegt. Es gibt unheimlich viele indigene Menschen, einen Supermarkt haben wir gar nicht gesehen, da die vielen Märkte voll sind mit übervollen Ständen, die einfach alles verkaufen. Es macht wirklich immer wieder Spaß, über diese Märkte zu laufen und sich die verschiedensten Stände und vor allem die Menschen einfach nur anzugucken. Besonders interessant war der „Hexenmarkt“, auf dem man Zutaten der traditionellen Medizin und Glücksbringer in Form von Lamaföten, aufgeblasenen Fröschen mit Glasaugen, und anderen Tieren kaufen kann.

Nach 4 Tagen und bei besserem Wetter haben wir dann schließlich eine Tour auf den 6000er festgemacht. Morgens um 10Uhr sind wir mit unseren beiden Begleitern, die Führer, Träger und Koch in einem waren, zu einem Refugium auf 4700m gefahren, von wo aus wir mit Plastikschuhen und Steigeisen ausgerüstet zum 5130m hohen „Campo Alto“ gewandert sind, wo wir im Zelt „übernachtet“ haben.

Der Weg zum Campo Alto ist normalerweise völlig schneefrei, wir hatten aber schon ab dem Refugium eine durchgehende Schneedecke. Nach einer recht kurzen und wegen Kälte und Ungemütlichkeit wenig erholsamen Nacht, haben uns unsere Führer um 1Uhr morgens geweckt. Es hatte die letzten 6 stunden kräftig geschneit und wir sollten entscheiden, ob wir trotzdem losgehen wollten. Klar haben wir uns dafür entschieden! Mit 2 anderen Gruppen haben wir uns also durch etwa kniehohen Neuschnee geackert. Oh man, ihr könnt euch kaum vorstellen, WIE anstrengend das war!! Zum Glück hat es aber kaum noch geschneit und zwischendurch hatten wir sogar einen ganz guten Blick auf La Paz und die umliegenden Berge. Bei einer Höhe von etwa 5500m fing bei uns beiden der Magen an zu rebellieren und vor allem mich überkam eine absolute Schwäche und Müdigkeit. Der tiefe Schnee, die dünne Luft und die schlaflose Nacht machten sich mit voller Wucht bemerkbar. Bis etwa 5700m habe ich mich weitergekämpft, dann konnte ich einfach nicht mehr und bin mit einem der Führer zurück gegangen und konnte so ein bisschen vom Sonnenaufgang genießen. Henno hat sich noch 200 Höhenmeter weitergekämpft und eine 35m hohe Steilwand mit Eispickel erklommen. Bei ca. 5900m hat Henno dann auch kehrtgemacht. Bis zum Gipfel wären es bei dem Neuschnee noch etwa 4 Stunden gewesen und unsere Führer haben uns von Anfang an etwas die Motivation genommen, da sie meinten, dass das letzte Stück kaum begehbar und zu gefährlich sei wegen der vielen Gletscherspalten, die man wegen des Neuschnees hätte übersehen können. Im Zelt angekommen, sind wir beide wie tot umgefallen und haben erst mal gepennt. Normalerweise benötigt man für die Wanderung vom „Campo Alto“ bis zum Gipfel 6-7 Stunden über einen festgetretenen fast wie planierten Schneeweg. Wir hätten bei den Bedingungen, die wir hatten, mindestens doppelt so lange gebraucht. Obwohl wir nicht bis oben gekommen sind, war es auf jeden Fall eine geniale Erfahrung!!!

Viel hat uns dann nicht mehr in La Paz gehalten und wir sind am nächsten Tag in einem durch über den riesigen Altiplano mit weit entfernten Schneebergen und Lamaherden nach Cochabamba, wo wir eine Anlaufstelle hatten. Eine in Deutschland lebende Freundin meiner Eltern (Emilia) war gerade in Cochabamba, um dort ihre Schwester (Lourdes) zu besuchen, wo wir auch sehr herzlich aufgenommen wurden. Es war sehr schön, sich einfach mal bekochen zu lassen! Dabei muss ich zugeben, dass Rinderzunge nicht zu meinen Lieblingsspeisen zählt!! Henno hat außerdem noch andere einheimische „Delikatessen“ probiert: Meerschwein, was ich in Gedenken an mein früheres Meerschweinchen Benji abgelehnt habe, und Rinderdarm, was ich auch dankend abgelehnt habe. Aber Henno hat es geschmeckt. Obwohl Cochabamba immerhin noch 2558m hoch liegt, war das Klima einfach optimal!! Tagsüber waren es angenehme 25-30°C und da am 21. September Frühlingsanfang war, haben wir die morgens zwitschernden Vögel und die in allen Farben blühenden Bäume und Pflanzen genossen.

Wir hatten ja auch schließlich noch keinen Frühling dieses Jahr! Nach dem kalten und grauen La Paz war Cochabamba einfach super schön mit seinen vielen grünen und entspannten Plätzen, wo über einem die Papageien von Palme zu Palme fliegen. Es ist uns nicht leicht gefallen, uns von Lourdes und Cochabamba zu trennen! Dank Emilia, der wir eine ganze Reisetasche voll mit Souvenirs mit nach Köln gegeben haben, sind wir mit viel Platz in den Koffern in den Osten Boliviens Richtung Santa Cruz gefahren. Dort war für uns die letzte Möglichkeit, noch ein bisschen was vom Regenwald zu sehen. Der hat seinem Namen auch erst mal alle Ehre gemacht und es hat kräftig geregnet! Total durchnässt und durchgefroren kamen wir in dem kleinen gemütlichen und irgendwie karibisch wirkenden Örtchen Villa Tunari an. Es war das erste mal seit Wochen, dass wir so tief, also auf etwa 290m waren und es war einfach richtig ungemütlich und kalt! So hatten wir uns den Regenwald nicht vorgestellt! Wir hatten eher mit schwüler tropischer Hitze gerechnet!! In dem Örtchen gibt es den Naturschutzpark Inti Wara Yassi, der Tiere, die aus dem Zirkus, aus Hotels oder wo auch immer aus unwürdiger Haltung befreit wurden, aufnimmt und ihnen in diesem Park eine Heimat mit natürlichen Bedingungen bietet. In dem Park leben etwa 400 Affen, 1 Puma, 1 Jaguar, 1 Ozelot und einige Papageienarten. Bei den Affen hat es uns mit Abstand am besten gefallen! Es ist echt genial, was die für eine Mimik haben und wie unterschiedlich die einzelnen Charaktere sind!

Ein neuerer Affe hat mir ziemlich am Anfang auf den Schoß gepinkelt, weil er so eine Angst vor den anderen Affen hatte. Ein anderer hat mir immer wieder mit hochkonzentriertem Gesichtsausdruck die Hose aufgemacht. Henno wurde von einem schwangeren Affenweibchen mit Banane gefüttert und ein anderer hat ihm die Brille geklaut.

Und ausnahmslos haben alle als erstes unsere Taschen durchsucht, ob sie nicht doch etwas Essbares enthalten. Es hat echt Spaß gemacht und wir haben überlegt, ob wir nicht für 2 Wochen (wäre vom Park aus das Minimum gewesen) in dem Park arbeiten sollen. Wir haben uns aber dagegen entschieden, weil wir dafür wohl keine Ruhe gehabt hätten und schließlich hat uns der Hunger nach mehreren Stunden aus dem Park getrieben.

Kurz vor Santa Cruz konnten wir bei einer österreichischen Familie, die einen Viehhof mit Metzgerei aufgebaut hatte, auf dem Gelände zelten. Abends haben wir einen Teller voll mit frischer Wurst (was eher was für Henno war) und frisches selbstgebackenes Bauernbrot bekommen. Morgens gab es frisch gemolkene Kuhmilch. Das kennt man als Stadtmensch ja so gut wie gar nicht!

Vom Regenwald gibt es in der Gegend nicht mehr viel zu sehen, da alles für den Anbau von Getreide, Reis und Zuckerrohr und vor allem für Weideland abgeholzt wurde. Bis zur Grenze nach Paraguay und Brasilien besteht die Landschaft eigentlich nur aus Pampa und Ödland… Die Menschen hier haben auch überhaupt keinen Respekt vor der Natur und zum Teil natürlich auch ganz andere Probleme (z.B. das einfache Überleben). Für uns ist es allerdings schon erschreckend, zu sehen wie die Menschen die Flüsse als Mülleimer benutzen. Sie nehmen ihre Müllbeutel, gehen zur nächsten Brücke und schmeißen alles ins Wasser oder trockene Flussbett. Aber ihnen bleibt wahrscheinlich auch gar nichts anderes übrig, wenn es keine Müllabfuhr gibt, die den Müll entsorgt. Wir haben auf unserer Reise auch schon oft gesehen, wie die Menschen ihre Kleidung in den Flüssen waschen und mit Autos und Bussen in das seichte Wasser fahren, um diese dort zu waschen. Unsereins tut sich ja schon schwer, eine Bananenschale neben leere Ölkanister in die Natur zu werfen…

Nach diesem kurzen Abstecher in die Tropen ging es über eine kurvige Straße durch schöne Landschaft schon wieder relativ hoch (auf ca. 1900m) und wir sind in einem kleinen Ort, Samaipata, geblieben, in dem sich vor allem wegen des angenehmen mediterranen Klimas unheimlich viele Deutsche, Holländer und Franzosen niedergelassenhaben. Dort haben wir uns wohl auch das vorerst letzte Prä-Inka-Fort angeschaut und die schöne Aussicht genossen. Über eine trockene Lehmpiste haben wir eine wenig befahrene Strecke durch die Berge nach Sucre gewählt. Für diese etwa 400km lange Piste haben wir wegen der Straßenbedingungen und dem ständigen Auf und Ab in den Bergen 3 Tagesetappen benötigt. Von angenehm temperierten 3000m ging es runter in wüstenähnliche Landschaft und Temperaturen und wieder hoch. Schön, aber auch recht anstrengend! Ein Stopp auf dieser Strecke war das kleine, aber geschichtsreiche Örtchen La Higuera. In der ehemaligen Schule des Ortes wurde nämlich am 8.10.1967 Ernesto „Che“ Guevara in Gefangenschaft genommen und tags darauf erschossen. Das war zu der Zeit, als er für die Gleichberechtigung aller Menschen in Südamerika kämpfte. Bolivien hatte er dazu als Stützpunkt gewählt, da es zentral liegt und die Grenze mit 5 anderen Ländern teilt. Die Schule ist heute ein kleines Museum, das eigentlich nur aus Informationstafeln bestand. Es war sehr interessant und trotz oder gerade wegen unserer eher schlechten Geschichtskenntnisse auch emotional bewegend, in dem Raum zu stehen, in dem Che erschossen wurde! Man könnte meinen, der Ort kann sich vor sensationsfreudigem Tourismus kaum retten, aber dem ist wirklich nicht so: in La Higuera leben schätzungsweise 50 Menschen in ihren Lehmhütten. Strom und Telefonverbindung haben sich noch nicht dorthin verirrt, was uns echt verwundert hat, da wir sonst in fast jedem Kaff sogar mindestens ein Internetcafe gefunden hatten! Direkt neben dem kleinen Dorfplatz steht eine große Kopf-Statue von Che.

Um diese herum laufen streunende Hunde, ein paar Esel und Pferde und grunzende Schweine wühlen im Dreck. Kinder spielen Fußball auf dem Schulhof, während einige Erwachsene zugucken und sich unterhalten. Zwischen ihnen sitzt ein Mädchen, das ab der Köpermitte abwärts gelähmt ist, in einer Schubkarre – ihrem Rollstuhlersatz. Alles ist so einfach und wirkt so ruhig und harmonisch auf uns! Wir haben uns kurzfristig von der Ruhe anstecken lassen und einen Tag Pause in dem Ort gemacht. Es ist total faszinierend, wie still ein Ort ohne Elektrizität ist! Kein Radio, kein Fernseher, kein Summen von irgendwelchen Leitungen. Statt dessen das Summen von Insekten, zirpende Grillen und hin und wieder hört man Kühe, Esel, Schweine, Pferde. Abends schläft man beim Gequake der Frösche ein und wird früh morgens von den Hähnen geweckt. Wir fühlten uns etwas in eine andere Welt versetzt, aber haben den entspannten Tag sehr genossen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich wahrscheinlich verrückt werden würde, wenn ich mehr als 4 Tage dort verbringen müsste!

Frisch erholt sind wir 2 Tage später in Sucre (2790m) bei schönstem Frühlingswetter angekommen. Leider hat das nur 2 Tage gehalten, bevor es grau und regnerisch wurde. Von hier geht es morgen nach Potosí (4000m), wo wir eine Silbermine besuchen wollen und kurz danach in die Salzwüste Uyuni mit Temperaturen weit unter 0°C (nachts bis -20°C…). Danach werden wir uns so langsam von Bolivien verabschieden und nach Chile und Argentinien weiterziehen. Bolivien hat uns auch super gut gefallen! Landschaftlich teilweise ähnlich wie Peru, aber weniger touristisch und irgendwie urtümlicher. Außerdem ist Bolivien mit Abstand das billigste Land unserer Reise! Es gibt leckere Brötchen, die etwa 3 Cent/Stück kosten, in den Tropen gab es etwa 25 Mini-Bananen für 10 Cent und der Sprit kostet 37 Cent/Liter. Ein Traum-Preis! Da fragt man sich ehrlich, womit die Menschen da noch Geld verdienen?!

Bei uns ist nach wie vor alles gut. So langsam treten zwar immer mehr Verschleißerscheinungen an den verschiedensten Sachen auf (Wasserfilter, Digicam) und unsere Klamotten werden immer häufiger zum Schneider gebracht. Da macht sich der ständige Gebrauch doch bemerkbar! Aber uns geht es bestens und auch die Motorräder wirken, als hätten sie noch Spaß am Reisen! Wir haben übrigens auch gerade die 50.000km voll gemacht.

So, genug für heute! Wir schicken euch viele Grüße aus Sucre und wünschen euch einen schönen bunten Herbst (oder einen warmen Frühling, je nachdem, wo ihr das lest)!

Eure Henno und Alex
Potosí – Salar de Uyuni (Bolivien) – Calama (Chile) – Salta – Mendoza (Argentinien); 4.11.2005

Nach unserem letzten Bericht in Sucre sind wir in die mit 4070m höchstgelegenste Stadt der Welt Potosí gefahren. Diese Stadt war einmal die größte und wegen des silber- und zinkreichen Berges „Cerro Rico“ (=reicher Berg) die wohlhabenste Stadt Lateinamerikas war.

Obwohl Potosí vor allem eine Arbeiterstadt ist, ist es eine schöne Stadt mit kolonialen Gebäuden, in der ziemlich viel los ist. Wir sind vor allem dort gewesen, um eine Silbermine zu besuchen. Mit einer Gruppe von 4 Leuten und einem Führer haben wir uns erst einmal angeguckt, wie die wertvollen Mineralien aus dem Berg, vor allem Blei und Silber, von den Wertlosen und vom Dreck mit hochgiftigen Chemikalien getrennt werden. Die „Abfallstoffe“ inklusive der Chemikalien werden teilweise in die Flüsse abgeleitet. Danach sind wir mit Gummistiefeln, Helm und Kopflampe ausgerüstet in einen Bergstollen gegangen.

Je tiefer wir in den Berg kamen, desto wärmer (bis 40°C), staubiger und stickiger wurde es. Die Decken waren teilweise so hoch, dass auch Henno problemlos aufrecht gehen konnte, teilweise waren sie aber auch nur etwa 80cm hoch. Manchmal ging es durch knöchelhohen Schlamm und war ziemlich rutschig, manchmal war die Luft so trocken, dass wir die ganze Zeit niesen und husten mussten und es richtig unangenehm war, tief durchzuatmen, was in einer Höhe von 4400m allerdings häufig nötig ist. Sauerstoff wird in gepresster Form über Rohre in die Gänge geleitet. Und da wir uns 2-3km im Berg befanden war es natürlich stockduster. Dort schieben und ziehen Bergmänner 1-2 Tonnen schwere Waggons durch die Stollen, sprengen neue Gänge und arbeiten unter harten Bedingungen 8 Stunden 5-7 Tage die Woche für einen Tageslohn von etwa 3-5€. Den Menschen bei der Arbeit zuzugucken war mal wieder so eine Situation, in der wir uns wie im Zoo fühlten. Wir wurden allerdings alle gebeten, den Arbeitern ein paar Kleinigkeiten wie Getränke, Coca-Blätter oder Zigaretten mitzubringen.

Auf diese Weise haben die Arbeiter zumindest ein bisschen was von uns Touristen. Coca-Blätter werden vor allem in Bolivien gekaut (eigentlich wird es in die Backen geschoben) oder als Tee getrunken. Coca hilft gegen die Höhenkrankheit, steigert die Arbeitsleistung, da es die Sauerstoffaufnahmefähigkeit erhöht und soll das Hungergefühl unterdrücken. Wir haben in Bolivien auch viel „Mate de Coca“ (Cocatee) getrunken und auch mal das Kauen mit alkalischen Katalysator probiert, Henno hatte trotzdem Hunger.

Man kann sich gut vorstellen, dass die Arbeit in den Stollen ziemlich gesundheitsschädigend ist, durch die staubige Luft. Im Jahr sterben 40-50 der insgesamt etwa 240 Arbeiter; das ist fast ein Arbeiter pro Woche, hauptsächlich durch einstürzende Stollen nach Sprengungen… Wir waren nach 2 Stunden in den engen Stollen froh, als wir wieder draußen waren!

Über eine mal wieder schottrige Wellblechpiste über den schönen, unendlichen Altiplano ging es in 8 Stunden die gut 200km von Potosí nach Uyuni (3650m). Uyuni selber hat nicht viel zu bieten außer vielen Agenturen, die Touren zum Salar de Uyuni, der größten Salzwüste der Welt anbieten. Von befreundeten Reisenden hatten wir von beängstigenden Nachttemperaturen von bis zu -20°C im Salar gehört, weswegen wir uns noch schnell eine wärmende Lamadecke gekauft haben, um die Nacht im Zelt zu überstehen. Nach 20km durch die Pampa mit Lamaherden ging es nördlich von Uyuni in den Salar und es war einfach nur genial!! Ohne Sonnenbrille ging’s gar nicht weiter, weil die Höhensonne von dem Weiß des Salzes reflektiert wird. Als erstes haben wir uns das Hotel „Playa Blanca“ angeguckt, ein Hotel, bei dem alles aus Salz besteht.

Schon verrückt! Danach ging es weiter raus auf den Salar. Ihr müsst euch eine riesige platte weiße Fläche mit festem Untergrund vorstellen, je nachdem in welche Richtung man guckt, sieht man Berge oder Vulkane, die am Rande des Salars stehen oder einfach nur den Horizont. Wahnsinn! Wir mussten uns mehrmals einreden, dass der weiße Untergrund weder kalt noch nass ist, wenn man drauf sitzt! Und auch beim drüber fahren ist es weder rutschig noch glatt. Es hat alles schwer an eine große Schnee- oder Eisfläche erinnert!

Da das Auge keinen Fixpunkt hat, kann man Entfernungen überhaupt nicht abschätzen und ganz witzige Fotos machen (siehe Gallery). Mitten im Salar gibt es einige Inseln, auf denen Kakteen wachsen und tatsächlich auch Tiere leben. Und auf einer dieser Inseln gibt es sogar ein Hotel! Neben dieser Insel als Windschutz haben wir unser Zelt aufgebaut.

Es war super still, man hat nichts gehört außer dem Wind und mit unserer neuen Decke war es echt gemütlich im Zelt!! Allerdings war es draußen nicht unter -5°C, also noch angenehme Campingtemperatur. Den Weg zur Insel und auf der anderen Seite raus aus dem Salar hat man auch ohne GPS gut finden können, da diese Tour viele Jeeps machen und ihre Spuren im Salz hinterlassen.

Die Strecke nach dem Salar war so ziemlich das anstrengenste, was wir bis dahin hatten! Es war eine Mischung aus Wellblech, so tief, dass die Moppeds aufgesetzt sind, und Sand. Beides alleine ist zum Motorradfahren nervig, aber beides zusammen ist richtig ätzend! Zwischendurch war es mal weniger Wellblech, dafür mehr Sand, was mit den vollgepackten Moppeds kaum zu machen ist und ich hab mein Mopped auch mal wieder sanft abgelegt.

Wir haben an dem Tag für 110km etwa 7 Stunden gebraucht und das sagt ja schon einiges… Bis zum nächsten Ort, der gleichzeitig der Grenzort nach Chile ist, haben wir es nicht geschafft und nach längerem Suchen nach einem Windschutz in der Geröllwüste, haben wir unser Zelt hinter einer Hausruine aufgebaut. Da war es sogar noch einsamer als im Salar und leider hat in der Nacht mein Magen beschlossen, keine Lust mehr am Verdauen zu haben…Wahrscheinlich hätten wir sonst den genialen Sternenhimmel in der Wüste verpasst! Am nächsten Tag hab ich mich noch einige Male übergeben müssen und konnte nicht mal nen Schluck Wasser bei mir behalten. Bis zum nächsten Ort waren es zum Glück nur noch etwa 80km durch die Wüste über Schotterpiste. Mit einigen „Zwangspausen“, die mein Magen verlangt hat, kamen wir nachmittags an der Grenze zwischen Bolivien und Chile an.

Wie immer problemlos sind wir am 11.10.2005 nach Chile eingereist und ich hab erst mal das Grenzhäuschen vollgekotzt, bevor ich die Zollpapiere unterschreiben konnte… In dem kleinen Grenzdörfchen Ollagüe haben wir das erste Hotelzimmer genommen und waren geschockt von dem hohen Preis! Es war etwa 4 mal so teuer wie in Bolivien! Aber ich war einfach fertig und hab erst mal 14 Stunden durchgepennt. So richtig gut ging es mir am nächsten Tag nicht und essen ging gar nicht, aber ich wollte lieber in einen größeren Ort, wo es zumindest den ganzen Tag Strom und vielleicht eine Apotheke gab. Bis dahin waren es aber noch 200km und 7 anstrengende Stunden durch eine Landschaft mit vielen, teilweise aktiven, Vulkanen, braune Geröllwüste, verschiedenfarbige Lagunen mit rosa Flamingos, Vicuñas und keiner Menschenseele. Henno war total begeistert, an mir ist das alles leider vorbeigezogen. In Calama, einer Stadt mitten in der Wüste, waren wir dann 4 Tage zum Gesundwerden.

Der erste Eindruck von Chile war, dass es ziemlich teuer ist! Der Sprit (normal) kostet über 1€/Liter und auch alles andere ist teurer. Wir haben keine indigenen Menschen mit ihren bunten Kleidern und Tüchern gesehen und alles wirkte ziemlich europäisch auf uns! Anstelle der schönen bunten Märkte mit ihren Essständen (Bolivien, Peru,…), auf denen Frauen ihr Baby in einem bunten Tuch an den Körper gebunden haben und es gleichzeitig stillen und in einem großen Topf rühren, gibt es ein großes Einkaufszentrum mit food corner mit bekannten Restaurantketten. Es gibt zwar einen kleinen Markt mit etwa 4 Ständen und Essecke, aber dort stehen keine indigenen Frauen, die uns an ihren Stand „zerren“ wollen, sondern eine Frau in Jeans nimmt die Bestellung auf und man kann mit Karte zahlen… Angenehm, aber mindestens genauso ungewohnt ist, dass Autofahrer für Fußgänger bremsen und nicht laut losgehupt wird, wenn man nicht nach einer Millisekunde (oder früher!), nachdem die Ampel auf grün geschaltet hat, losgefahren ist. Also, wenn Chile und Argentinien so bleiben, werden wir das „Urige“, was in Peru und Bolivien typisch ist und uns gefallen hat, echt vermissen!

Nach den 4 Tagen in Calama war ich immer noch nicht so richtig fit, aber ich hatte auch keine Lust mehr, weiter vor mich hin zu vegetieren. Also haben wir beschlossen, in kleinen Tagesetappen weiter zu fahren, was letztendlich auch besser war. Es war auch wesentlich einfacher, weil die Straßen wieder asphaltiert waren. In San Pedro de Atacama haben wir die nächste Nacht verbracht und uns dort auch schon unseren Ausreisestempel für Chile besorgt, um nach Argentinien weiter zu reisen. Auf dem Weg zur argentinischen Grenze haben wir aber noch einen kurzen Abstecher nach Bolivien gemacht, um uns grüne und weiße Lagunen, Vicuñas und rosa Flamingos anzugucken. Es war schön, aber die etwa 30km typisch bolivianische Schotter-, Sand- und Wellblechpiste haben uns schon wieder gereicht und wir waren froh, als wir wieder guten Asphalt in Chile hatten. Nach einem 4800m hohen Pass mit Schnee neben der Straße und eisigem Wind ging es einige Kilometer später – am 17.10.2005 – nach Argentinien. An der Grenze lief alles mal wieder ziemlich locker ab und nachdem unsere Papiere fertig waren, haben die Grenzmänner weiter Tischtennis gespielt… Da es schon recht spät war, haben wir versucht, den kalten Wind und die Höhe möglichst weit hinter uns zu lassen. Bis zum Einbruch der Dunkelheit sind wir durch Pampa, Salzwüsten und menschenleer Natur gefahren und haben in etwa 3600m Höhe in einem trockenen Flussbett in einem kleinen Canyon unser Zelt aufgeschlagen. Mit etwas unter 0°C im Zelt war es aber trotzdem eine der kältesten Nächte unserer Reise. Nach einem klaren Sternenhimmel mit gigantischem Vollmond hat die Sonne morgens recht schnell alles eingefrorene (Trinkwasser) wieder aufgetaut.

Die Strecke führte vom Altiplano ziemlich kurvig bergab durch einen Canyon mit verschiedenfarbigen Steinschichten und übersäht mit Kakteen, durch braunen Trockenwald (endlich mal wieder Bäume!!) nach Salta, unsere erste argentinische Stadt. Salta hat noch einige schöne koloniale Gebäude mit schicken Innenhöfen, eine schöne Plaza und eine sehr europäisch wirkende Fußgängerzone. Es gab sogar einen Markt, auf dem frische Lebensmittel verkauft wurden und Essstände, auf denen weniger typisch argentinisches Essen, sondern vor allem Pizza angeboten wurde. Daran, an den vielen italienischen Eisdielen (gut, dass ich wieder gesund bin!!) und an dem ganz anders klingenden Spanisch macht sich der starke Einfluss der europäischen und vor allem italienischen Einwanderer bemerkbar.

Auf den nächsten Kilometern südlich von Salta ging es durch schöne, aber wenig grüne, trockene und eher eintönige Natur mit Salars, Pampa und Wüste. Die Lamaherden wurden weniger und durch riesige Herden Angusrinder, Pferde und Esel eingetauscht, von denen auch einige gerade überfahren oder schon als Skelette am Straßenrand liegen.

Zwischendurch haben wir in einem Oasenort (Cafayete) übernachtet, wo Wein angebaut wird und unsere erste argentinische Weinprobe gemacht. Danach sind wir weiter durch öde, einsame Landschaft gefahren. Zwischendurch ging es auch mal durch einen nassen Nebelwald und wir hatten tatsächlich einen Tag lang einen typischen Kölner Fisselregen, wodurch alles sofort ein frisches Grün hatte. Sehr schön nach Wochen in der Wüste! Auf der Strecke stand ein Schild am Straßenrand, auf dem „Ende der Welt“. Keine Ahnung, was das dort zu suchen hatte?!

Auf den nächsten paarhundert Kilometern war es dann aber wieder trocken, braun und ein recht unangenehmer starker, kalter Wind kam dazu. Das Reisen erinnerte uns hier wieder sehr an Nordamerika: Hunderte von Kilometern meist geradeaus durch schöne, aber wenig wechselnde, menschenleere Landschaft. Es gibt wieder viele Campingplätze mit Stein- oder Holztischen und Bänken und wir wurden schon auf einem der Campingplätze zu einem ordentlichen „Asado“ (Grillfleisch) eingeladen, was vor allem Henno gefreut hat, da er meine Portion ja auch noch bekommen hat. (Den Begriff „Steak“ gibt’s hier übrigens gar nicht.)

Da wir uns bis Ushuaia ganz im Süden noch etwas Zeit lassen wollen, weil es dort im Moment noch zu kalt ist, fahren wir nicht auf dem direktesten Weg nach Süden. Also haben wir zwischendurch kleine „Umwege“ gemacht: z.B. in den Talampaya National Park, eine in der Wüste liegende Schlucht mit bis zu 150m hohen Wänden. Wir haben dort am Visitorcenter gezeltet, abends hat uns der Nachtwächter Ivan gezeigt, wie man Milanesa, eine Art argentinisches Schnitzel macht…

und tagsüber haben wir eine kleine Radtour in die Schlucht gemacht.

Von dort aus sind wir Richtung Westen gefahren und haben im Garten eines schicken Hotels mit Thermalquellen gecampt und uns danach bei Barreal ein Observatorium angeguckt, was echt interessant war! Wir sind weit im Westen Argentiniens parallel der Anden entlanggefahren und hatten die ganze Zeit die schneebedeckten Gipfel rechts neben uns und links eine Bergkette mit verschiedenfarbigen Steinschichten. Super schön – bis auf den eiskalten Wind im Nacken. Nach 150 einsamen Kilometern haben wir uns nördlich von Mendoza in einem kleinen Skiort (bis zu den Liftstationen und Skipisten auf 2300m Höhe waren es nur noch ca. 60km) eine Holzhütte gemietet. Mit eigener Küche, was wir ja schon seit über einem Jahr nicht mehr hatten! Es war echt gemütlich und wir fanden, dass wir uns das nach einigen richtig kalten Nächten im Zelt verdient hatten! Von dort aus haben wir einen Tagesausflug wieder mal durch traumhaft schöne Berglandschaft Richtung chilenische Grenze gemacht.

Leider ist die Skisaison hier seit etwa Ende September vorbei, so dass uns nicht allzu viel dort gehalten hat und wir nach 2 Tagen weiter nach Mendoza gefahren sind.

Da Mendoza die letzte größere Stadt auf unserer Reise ist, haben wir für die Suzuki einen neuen Hinterreifen gekauft, der, wie die Vorderreifen seit Lima, hinten aufs Gepäck geschnallt wird. Außerdem haben wir meine Suzuki zum Mechaniker gebracht, wo einige Kleinigkeiten gemacht wurden (neues Kettenkit, neues hinteres Kugellager, Ventile einstellen). Wir sind in der Zeit durch die Stadt gelaufen, die mit ihren grünen Alleen und richtig schicken Häusern ein bisschen an Hamburg erinnert! Nur das Wetter ist etwas anders: sonnig und heiß! Wir saßen abends um 22 Uhr mit T-Shirt draußen und haben Eis gegessen. Im Stadtpark, der wirklich super schön angelegt ist, waren wir laufen und genießen es doch, zurück in der Zivilisation zu sein. Mendoza und Umgebung ist übrigens auch DAS Weinanbaugebiet Argentiniens und wir haben natürlich eine Weinbodega (Chandon) besucht. Dort wird überwiegend Champagner hergestellt; es war interessant und lecker! Direkt beim Reinfahren nach Mendoza haben wir einen Motorradfahrer kennengelernt, der uns für den nächsten Abend zum wöchentlichen Motorradtreffen mit Asado eingeladen hat.

Argentinien gefällt uns insgesamt sehr gut und hat landschaftlich echt einiges zu bieten. Das tröstet uns etwas darüber hinweg, dass hier die indigene Kultur fehlt. Hier hat man wieder die Vorzüge von guten Campingplätzen, überwiegend guten Straßen, Duschen, wo tatsächlich heißes Wasser raus kommt, eines besseren hygienischen Standards… Wir können uns also schon mal langsam wieder auf Deutschland vorbereiten. Preislich ist Argentinien auch ok: 1 Liter normaler Sprit kostet etwa 0,50 €, 1 Liter Bier kostet etwa 0,65 € und Fleisch und Wein, wofür Argentinien ja bekannt ist, sind super preiswert! Hier gibt es auch sehr viele „große“ (über 250ccm) Motorräder und manchmal kommt man aus dem Grüßen entgegenkommender Moppedfahrer gar nicht mehr raus. Fast wie sonntags in der Eifel. In Bolivien waren noch viele Menschen total erstaunt über unsere Moppeds, weil sie dachten, dass es gar keine Motorräder, die mehr als 250ccm haben, gibt. Schon wahnsinnig der Unterschied zwischen 2 benachbarten Ländern!

Die Argentinier lieben es, in ihrer gepflegten Siesta – von ca. 12Uhr bis etwa 16 Uhr ist alles zu und ruhig – ihren Mate-Tee zu trinken. Egal welches Alter – die Menschen tragen immer eine mit heißem Wasser gefüllte Thermoskanne und Mate-Teekräuter mit sich rum, um jederzeit an einem ruhigen Plätzchen in Gesellschaft ihren „Mate“ zu schlürfen. Ungewöhnlich ist für uns, dass die Restaurants oft erst ab 21 Ur aufmachen, da hier sehr spät zu Abend gegessen wird und die Hauptspeise besteht dann aus Fleisch. Salat oder andere Beilagen gehören in der Regel nicht dazu.

So, jetzt reicht es mal wieder an Neuigkeiten! Wir hoffen, dass die schöne Landschaft auf den Fotos in der Photogallery rüber kommt!!

Wir haben noch gut 2 Monate und schätzungsweise 8.000km vor uns; teilweise durch Chile, das meiste aber wahrscheinlich in Argentinien. Schon ein seltsames Gefühl, jetzt so langsam planen zu müssen, wie wir wo fahren müssen, damit wir noch alles, was wir sehen wollen, schaffen! Aber das werdet ihr ja dann lesen können!

Wir wünschen euch alles Gute und während wir den Frühling genießen, habt ihr hoffentlich einen nicht allzu nassen und windigen Herbst?!

Liebe Grüße aus Mendoza!

Eure Alex und Henno
PS: Damit ihr genauso lachen könnt wie wir, hier die Übersetzung, der Werbebroschüre der Agentur, mit der wir die Mine in Potosí besucht haben. Viel Spaß!! 😉

„Über Führer Raul Braulio Mamani: Was getragen in Potosí, von einer Familie der Bergmänner und gestiegen worden ein Bergmann selbst ab. Der Pionier von Tourismus, er ist private kooperative Gruben, Salz von Uyuni, Farbige Lagune, amtlicher Führer von Abenteuertourismus. Er ist ein althergebrachter allgemeinhin empfohlener Führer, mit 8 Jahr oder Erfahrung in der Grube als Bergmann und hat 22 Jahre in den Abenteuertouren, wer Erfahrung und Hintergrundbrunnen ihn für den Job qualifizieren. Unsere Dienstleistungen werden kommen mit uns garantiert. Sie sind in den sichersten Händen der erfahrenen ehemaligen Bergarbeiter, die kenntnisreich sind und Deutschland wirklich sprechen können.“

…wir hatten übrigens einen England sprechenden Führer!

Mendoza (Argentinien) – Pucón (Chile) – Bariloche (AR) – Chiloé – Carretera Austral (CH) – Ruta 40 – Punta Arenas (CH); 11.12.2005

Nachdem wir in Mendoza den letzten Tag fast komplett mit dem letzten Bericht beschäftigt waren (wir hoffen, ihr wisst das zu schätzen!!), haben wir auf den nächsten Tagesetappen vor allem Kilometer gemacht und haben Patagonien mit seiner endloser Weite erreicht. Das bedeutete allerdings auch langweiliges geradeaus fahren durch windige, eintönige Pampa. Einige Km ging es auch über die berüchtigte „Ruta 40″, die teilweise ganz frisch asphaltiert, teilweise eine recht rutschige Schotterpiste war. Über den Pass Pino Hachado sind wir am 6.11.2005 noch mal rüber nach Chile gefahren. Kurz vor der Grenze wurde aus der Pampa eine schöne Berglandschaft mit schroffen Felsen, schneebedeckten Bergspitzen, türkisfarbenen Gebirgsseen und – bächen und Araukarien, einem sehr interessanten, nur im Norden Patagoniens wachsenden Nadelbaum. Auf dem höchsten Punkt des Passes sind wir zwischen hohen Schneewänden in Richtung chilenischen Zoll getuckert.

Da Chile frei von der Maul- und Klauenseuche ist, darf man keine frischen Lebensmittel mit einführen. Das wussten wir zwar, aber wir hatten trotzdem einige Sachen dabei. An der Grenze sollten wir dann einen Koffer aufmachen (ausgerechnet die Küche!) und sie haben da drin rumgekramt und eine Salami gefunden, die Henno sofort essen oder wegwerfen sollte. Zum Glück haben sie sich damit zufrieden gegeben, so dass wir nicht unseren kompletten Obstvorrat, Tomaten, Butter, Käse und Milch vor ihren Augen verputzen mussten. Auf der chilenischen Seite des Passes hat sich die Landschaft ziemlich abrupt geändert: Alles war frisch grün und wir sind vorbei an grünen Wiesen und durch dichte Wälder gefahren. Wären die schneebedeckten Gipfel keine Vulkane gewesen, hätten wir uns auf jeden Fall wie in der Schweiz gefühlt!

Wir haben dann auch bei einem Schweizer Hotel auf dem Grundstück gezeltet und eine schöne Wanderung durch Bambus- und Araukarienwald und über Kuhweiden gemacht. Am Fuße eines schneebedeckten Vulkans durch Lavagestein entlang, hatten wir die ganze Zeit Blick auf einen anderen schönen schneebedeckten Vulkan. Nach den langen Fahrtagen haben wir es ziemlich genossen, die Beine noch mal etwas bewegen zu können!

Von dort sind wir in die Touristenregion Villarica/Pucón gefahren, wo wir bei einem Bauernhof einer Mapuche-Familie (Ureinwohner Chiles) gezeltet haben. Dort war es auch richtig gemütlich und wir haben uns mit den anderen Hostalgästen 2 schöne Tage gemacht. Außerdem hat mir der Bauer beigebracht, wie man Kühe melkt, was definitiv viel leichter aussieht als es ist!

Da Henno und ich noch die Hofkatze mit ihren höchstens einen Tag alten total süßen Babies entdeckt haben, ist uns der Abschied von dort gar nicht so leicht gefallen.

Chile ist zwar wie schon erwähnt auch sehr schön, aber allein fürs Zelten zahlen wir soviel wie in Argentinien in einem netten Hostal (ca. 12€ für 2 Personen)! Darum sind wir auch gar nicht viel länger dort geblieben, sondern mit einer Fähre über den Lago Pirihueico zum Pass Hua Hum, gefahren, der gleichzeitig der niedrigste Andenpass (660m) zwischen Chile und Argentinien ist. Am 12.11.2005 waren wir wieder in Argentinien und sind in den sehr nett gemachten Touriort San Martin de los Andes gefahren, der aussieht wie eine kleine Kopie der Schweiz. Von weiter oben konnten wir den Ort kaum sehen, so „bewaldet“ ist er. Alle Häuser sind größtenteils aus Holz gebaut und die Cafés und Hotels haben so einfallsreiche Namen wie „Unser Traum“, „Frau Holle“, „Waldesruh“ o.ä.

Für 1-2 Tage war es ganz nett, dann hat es uns gereicht. Danach sind wir in die weniger nette, touristisch aber viel erschlossenere Stadt San Carlos de Bariloche gefahren und auf dem Campingplatz „La Selva Negra“ (= Schwarzwald) untergekommen. In Bariloche haben wir beide unsere Vorderreifen (die wir seit Lima dabei haben) gewechselt, an der Suzuki auch den Hinterreifen und haben jetzt wesentlich weniger mit uns zu schleppen. Dort mussten wir uns dann auch entscheiden, ob wir wieder nach Chile fahren und uns dort Vulkane, Seen und die Insel Chiloé angucken, oder doch erst mal in Argentinien bleiben wollten, was vielleicht weniger abwechslungsreich, aber viel preiswerter wäre. Außerdem ist Chile regenverwöhnter, was uns auch nicht so sehr lockte. Das war in Bolivien alles viel einfacher. Da gab es meistens immer nur eine Möglichkeit zu einem Ort zu gelangen und dort ist man gefahren. Hier haben wir eher die Qual der Wahl. Aber das wird weiter im Süden, wo es viel weniger Straßen gibt, auch wieder nachlassen!

Da wir von Martin und Katja, einem anderen deutschen motorradreisenden Pärchen, gehört hatten, dass sie etwa 100km weiter südlich bei den deutschen Klaus und Claudia untergekommen sind (die beiden waren 16 Jahre mit Motorrädern unterwegs und haben die Dia-Show und das Buch „Abgefahren“ gemacht), haben wir uns erst einmal entschlossen, dorthin zu fahren. Martin und Katja (die wir in Panama kennengelernt hatten) waren allerdings gerade weg. Statt dessen haben wir mit Claudia und Klaus einen netten Abend mit sehr leckerem selbstgebackenen Brot gehabt. Am nächsten Tag sind wir dann kurzentschlossen doch in Richtung chilenische Grenze gefahren, um uns unter anderem Chiloé anzugucken. Da es schon spät war, haben wir noch mal eine Nacht in Argentinien kurz vor der Grenze verbracht und sind von zwei US-amerikanischen Moppedfahrern zum Essen eingeladen worden. Es war ein sehr netter Abend, an dem wir 4 einige Stunden lang von unsere Touren erzählt haben. In Chile sind wir noch erst nach Frutillar gefahren, einer deutschen Gemeinde, die vor ca. 100 Jahren dort gegründet wurde. Außer Kuchen und ein paar „typisch“ deutschen Häusern hat uns nicht soviel an zu Hause erinnert, trotzdem war es nett. Der nächste Tag hat uns dann den befürchteten Dauerregen gebracht.

Wir sind mit einer kleinen Fähre auf die Insel Chiloe und direkt nach Chonchi gefahren, einem kleinen Ort am Meer, wo wir pitschnass angekommen sind. Dort sind wir dann 2 Tage geblieben und hatten sogar Glück mit dem Wetter, sodass wir auch ein paar kleinen Ausfüge machen konnten. Außerdem haben wir uns an Fisch satt gegessen, den wir spottbillig auf dem Markt gekauft haben (Lachs und Seehecht). Chiloe ist kein absolutes Muss, aber es hat uns ganz gut gefallen. Vielleicht auch, weil es die ärmste Region Chiles ist und dadurch auf uns wieder wesentlich ursprünglicher gewirkt hat. Fast alle Gebäude sind aus Holz und bunt angemalt, vielleicht, um das trübe Wetter zu verdrängen?!

Übrigens steht im Süden der Insel ein Monument, da dort offiziell die Panamerikana endet. Wir werden aber trotzdem bis Ushuaia weiterfahren! Nach 3 Tagen auf Chiloé haben wir die Fähre aufs Festland nach Chaiten genommen, von wo die – unter den Südamerikareisenden berühmt berüchtigte – „Carretera Austral“ nach Süden geht. Beim Ticketkauf haben wir Mitchell, einen 65-jährigen BMW-Fahrer, der auf Chiloé lebt, kennengelernt. Sein 3. Satz war, dass er eine Cabaña (Holzhütte) in der Nähe von Chaiten hat, wohin er uns einladen möchte. Wir waren gerade an der gemütlichen Cabaña angekommen, als es anfing zu schütten und für 2 Tage nicht mehr aufhörte. Drinnen hat Mitchell uns mit Riesengarnelen, Fisch, Oktopus (alles frisch aus dem Meer!), Wein, usw. verwöhnt. Wir haben auch die angeblich typische Mischung von Schwarzbier mit rohen Taubeneiern probiert, was sich wirklich wesentlich fieser anhört als es ist! Wir haben so viel gegessen, dass wir dort ein bisschen an „Hänsel und Gretel“ denken mussten, wo die Hexe Hänsel mästen und danach essen will…. Aber es war wirklich nett, auch wenn es etwas anstrengend war, weil Mitchell nicht besonders gut hört und sein Hörgerät nicht gern getragen hat. Unsere Namen wusste er überhaupt nicht und sie waren ihm auch ziemlich egal. Henno war „GS“ (nach seinem Mopped) oder „el Alemán“ (der Deutsche) und mich hat er „Freewind“ genannt. Er war wahrscheinlich einfach froh, nicht allein zu sein. Da er direkt neben dem Ticketverkauf wohnt, haben wir auch schon überlegt, ob er immer mit der Fähre fährt, wenn er sieht, dass Motorradfahrer mitfahren, die er dann einladen kann?!

Nach 2 recht faulen Tagen, in denen wir vor allem dem Prasseln des Regens zugehört haben, war es aber Zeit, uns weiter auf den Weg zu machen. Wir waren wahrscheinlich genauso froh, dort wegzukommen, wie Mitchell, dass er wieder Zeit für sich hatte.

Leider hat das Warten nichts genutzt und es hat einfach immer weiter geschüttet, sodass wir außer Wolken kaum etwas von der regenwaldähnlichen Vegetation und der schönen Umgebung mit Hunderten von Wasserfällen und vielen Gletschern sehen konnten. Andererseits passt der Regen auch zu der Gegend und gibt dem Ganzen eine fast mystische Stimmung. In der nächsten Nacht konnten wir unser Zelt zwar im Trockenen unter einer Überdachung mit Blick auf einen Gletscher (na ja, ab und zu….) und vielen Wasserfällen aufbauen, aber morgens durchgefroren von der Nacht in die noch nassen und kalten Klamotten steigen war wirklich kein Vergnügen! Also ging es weiter durch den Regen nach Coihaique, der einzigen größeren Stadt in der Umgebung, wo wir total durchnässt und durchgefroren ankamen. Unter unseren Anziehsachen (T-Shirt, dicken Fleece-Pulli, „wasserdichte“ Innenjacke, Motorradjacke, „wasserdichte“ Regenkombi) waren wir nass bis auf die Haut. Leider hatten wir mit der Unterkunft dort nicht den besten Fang gemacht, da es keine Heizung gab, es nachts bis 8°C im Zimmer war und durch die Decke getropft hat… Aber nach 2 Tagen über dem Holzofen waren alle unsere Sachen wieder trocken und wir konnten bei einem Sonne-Wolkenmix weiterfahren. Und endlich haben wir die Natur genießen können: es ging immer auf und ab mit vielen Kurven vorbei an blauen und grünen Seen, schönen Berglandschaften und keiner Menschenseele. Eigentlich perfekt, um das Zelt irgendwo aufzubauen, aber in Chile ist alles privat und daher läuft immer ein Zaun neben der Straße entlang, der wildes Campen nicht möglich macht. Also haben wir bei einer der wenigen Hütten nachgefragt, ob wir dort unser Zelt aufbauen dürften. Klar war das möglich und das Bauernpaar hat sich total gefreut, dass wir da waren und uns mehrmals gesagt, dass sie ja nie Besuch bekämen!

Bevor wir überhaupt etwas auspacken konnten, wurden wir zu einem Mate eingeladen, der wohl auch in Südchile sehr beliebt ist. Dabei geht es eher um den geselligen Aspekt als um alles andere. Für einen Mate wird ein Becher zu ¾ mit Matekräutern gefüllt und heißes Wasser hinzugegossen. Getrunken wird aus einer „bombilla“, einer Art Strohalm aus Metall mit kleinem Sieb unten dran, damit man keine Kräuter mittrinkt. Dieser Becher wird immer wieder neu mit Wasser aufgefüllt und macht die Runde. Es erinnert ein bisschen an eine Friedenspfeife bei den Indianern. Aber es ist sehr gemütlich! Wir wurden auch zum Essen eingeladen in ihrer kleinen Cabaña, in der es weder Strom noch fließend Wasser gibt. Gekocht wird auf dem Holzofen, Licht kommt von einer Gaslampe, das Radio läuft per Batterie und Wasser wird im Bach nebenan geholt.

Unsere nächste Tagesetappe war sehr kurz, weil wir tatsächlich ein offenes Gatter in der Dauerumzäunung entdeckt hatten und nach einem Picknick am Lago General Carrera kurzentschlossen unser Zelt am Kiesstrand aufgebaut haben. Nach so viel Regen und Kälte haben wir dort die Sonne genossen und den See genutzt, um uns zu waschen; zum Schwimmen war er doch zu kalt! Henno’s Angelversuche waren leider erfolglos, aber es war ein sehr entspannter Tag!

Am 1.12.05 sind wir bei Chile Chico wieder nach Argentinien eingereist und einen Tag später stand uns die Ruta 40 („La Cuarenta“) bevor. Vor diesem Streckenabschnitt wurden wir öfters gewarnt, weil sie teilweise sehr schlecht sein soll und 600km durch öde Pampa geht, wo der Wind nie Pause macht. Aber so schnell lassen wir uns ja nicht abschrecken! Insgesamt waren die Straßenverhältnisse (Schotter) ganz gut, auch wenn es 60km durch tieferen Schotter ging. In der Mitte war immer aufgehäufter Schotter, aber in den schmalen Spurrillen der Autos war der Untergrund fest.

Gemein war es nur, wenn zu dem starken Wind, der uns in eine nicht zu verachtende Schräglage gedrückt hat, noch kräftige Böen dazu kamen, die uns aus der 15cm breiten Spur in den tiefen Schotter und manchmal ganz von der Fahrbahn geschoben haben. Wir hatten einfach keine andere Chance als langsamer zu werden (bremsen auf Schotter ist ja nicht so gesund) und aus dem Graben wieder auf die Straßentrasse zu fahren. Es war wirklich super anstrengend! Dass die Strecke wirklich nur durch die Pampa geht, war nicht übertrieben! Bis zum Horizont sieht man nichts als Pampasgras in der leicht hügeligen Landschaft. Viele Pferde- Rinder- und Schafherden sind neben der Strecke und es wirkt, als gehörten sie keinem, weil weit und breit kein Stall oder Zaun zu sehen ist. Hin und wieder haben wir beeindruckende Kondore gesehen, Guanakos (Lamaart), Füchse, Gürteltiere und Pampasstrauße – die mit angeblich 70 Sachen durch die Pampa flitzen. Nach der ersten Tagesetappe haben wir wieder in einem Haus (dem einzigen weit und breit) nachgefragt, ob wir dort im Windschutz zelten könnten. Das Haus wurde von den Arbeitern bewohnt, die die Ruta 40 in Stand halten und es war überhaupt kein Problem, dort zu bleiben. Wir konnten sogar unsere Isomatten in einem leeren Zimmer ausbreiten und wurden abends wieder zum Essen eingeladen. In solchen Momenten fragen wir uns immer, wie Reisende eigentlich bei uns in Deutschland aufgenommen werden?!

Nach dem 2. Tag auf der Cuarenta hatten wir es fast bis zum Ende der Schotterstrecke (und zum Beginn des Asphaltes) geschafft, aber wir haben 30km vorher unser Zelt an einer Tankstelle aufgeschlagen. Nach 6 Stunden Kampf mit Strecke und Wind waren wir einfach zu platt, um noch weiter zu fahren. 25km hinter der Tankstelle war die Straße tatsächlich frisch asphaltiert und ich habe erst mal einen kleinen Freudentanz aufgeführt. Nach 1000km auf (fast) ununterbrochen schwerer schottriger Piste hatte ich einfach genug davon! Auch, wenn ich zugeben muss, dass eine Asphaltstraße nicht ganz in das Bild der „Ruta 40″ und Patagoniens passt! Aber der kalte Wind, der meist aus Westen bläst, ist ja nach wie vor da! Und es ist ein sehr seltsames Gefühl, wenn man mit 70km/h eine Linkskurve fährt, aber durch den Wind immer noch nach rechts geneigt ist.

Nach so viel Einsamkeit sind wir in den touristisch ziemlich überlaufenen Ort El Chaltén gefahren, wo das Bergmassiv Fitz Roy steht. Als wir ankamen war es super kalt und hat etwas geschneit, aber letztendlich hatten wir wirklich Glück mit dem Wetter und 2 Tage freien Blick auf den gigantischen Berg.

Wir haben in der Gegend 2 Tagesausflüge gemacht und bei dem zweiten ein Ehepaar (Renate und Ingo) kennengelernt, dass mit einem deutschen Landrover mit SU-Kennzeichen (für Siegburg, wie meine Suzuki) unterwegs war. Und als ob das nicht schon Zufall genug wäre, haben wir noch festgestellt, dass mein Opa Renates Lieblingslehrer an der Volksschule war! Sachen gibt’s…

Als wir uns am Fitz Roy sattgesehen haben, sind wir zum nächsten Highlight gefahren, zum Gletscher Perito Moreno, der sich in einen See schiebt. Die Größe dieses Eisfeldes kann man gar nicht aufnehmen, es ist einfach gigantisch! Wenn ein vergleichsweise minikleines Touristenboot in die Nähe des Gletschers gefahren ist, hat man erst gesehen, mit welcher Größenordung man es in etwa zu tu hat. Wir standen einfach nur da und haben uns angehört, wie es die ganze Zeit im Eisfeld knackt und donnert und wie immer wieder Eisstücke mit lautem Tosen in den See fallen. Ein wahnsinniges Naturschauspiel!! Als ab 11Uhr dann langsam die Touristenladungen ausgekippt wurden und die Menschen bei jedem Kalben wie beim Feuerwerk „ohs“ und „ahs“ gerufen und geklatscht haben, sind wir schnellstens geflüchtet.

Da wir an dem Tag auch nicht mehr weit gekommen sind und uns der kalte Wind wieder gefordert hat, haben wir an einer Tankstelle nach einer Zeltmöglichkeit gefragt. David, der dort gerade Dienst hatte, hat uns angeboten in der kleinen Hütte auf dem Boden zu schlafen, wofür wir sehr dankbar waren! In der Nacht war es nämlich extrem windig und obwohl es auch in der Hütte nur 5°C waren, war es besser als zelten! Wir wurden auch wieder zum Essen eingeladen: es gab Straußenei! Das Ei musste 2 Stunden kochen und um die harte Schale kaputt zu bekommen, mussten wir den Hammer nehmen!

Geschmeckt hat es fast wie ein Hühnerei. Am nächsten Tag (9.12.2005) sind wir – anders ist die Fahrt nach Feuerland gar nicht möglich – wieder über die Grenze nach Chile bis Punta Arenas gefahren. Wir sind hier in etwa auf dem gleichen Breitengrad wie Köln – nur auf der Südhalbkugel. Die Tage werden immer länger, richtig dunkel wird es erst um 22.30 Uhr und es ist interessant und immer noch ungewohnt, dass die Sonne mittags immer deutlicher im Norden steht. Punta Arenas liegt direkt an der Magellanstraße, einer natürlichen Meeresenge, die die Insel Feuerland vom Rest des amerikanischen Kontinents trennt. Feuerland (Tierra del Fuego) heißt Feuerland, weil die vorbeifahrenden Schiffe früher viele Feuer an Land gesehen hatten, mit denen sich die Einheimischen gewärmt hatten. Auf Feuerland, das teils zu Argentinien, teils zu Chile gehört, liegt (in Argentinien) die südlichste Stadt der Welt, Ushuaia. Dort endet auch das südliche amerikanische Straßennetz, weswegen es unser „Ziel“ ist. Außerdem ist Ushuaia DER Reisetreffpunkt an Weihnachten. Wir wissen allerdings noch nicht, ob wir uns diese Massenveranstaltung dort antun wollen. Es ist wirklich unglaublich, wie viele Reisende wir in letzter Zeit getroffen haben, die Weihnachten „unten“ sein wollen! Auch sehr viele Radfahrer, bei denen wir nie wissen, ob wir sie beglückwünschen oder für total bekloppt halten sollen dafür, dass sie es mit dem patagonischen Wind aufnehmen. Es ist ein ganz seltsamer Gedanke, dass wir fast „da“ sind und unsere Reise fast beendet ist. Wir haben jetzt noch etwas über 5 Wochen und da wir 1 Woche vor unserem Heimflug (am 19.1.2006) in Buenos Aires sein wollen, sind wir nur noch 4 Wochen unterwegs! Irgendwie ein Gänsehautgefühl…

Von Punta Arenas werden wir also die Fähre nach Feuerland nehmen und die restlichen 400 km nach Ushuaia fahren, bevor es an der Atlantikküste in den Norden nach Buenos Aires geht. Da immer mehr Kleinigkeiten (vor allem Reisverschlüsse am Zelt) ihren Geist aufgeben und sich an der Suzuki Schrauben wegen der schlechten Straßen losvibrieren, wird es wohl langsam auch Zeit, wieder nach Hause zu kommen. Bis auf raue Haut und aufgerissene Lippen durch den kalten Wind geht es uns sehr gut und wir werden versuchen, die letzten Wochen, die wohl komplett vom kalten Wind begleitet werden, zu genießen. Wo wir Weihnachten und Silvester verbringen werden, wissen wir noch nicht. Allzu viel Weihnachtsstimmung kam bisher auch gar nicht auf, da wir erst jetzt, Mitte Dezember, die ersten Weihnachtsdekorationen gesehen haben! Ganz anders als in Deutschland, wo das ja schon im September beginnt… Wir wünschen euch allen noch eine schöne Adventszeit, ein ruhiges Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Viele liebe Grüße aus Patagonien!

Eure Alex und Henno
Tierra del Fuego – Patagonien – Buenos Aires; 12.1.2006

Etwas verspätet: Feliz año nuevo! – Frohes neues Jahr!! – Und auf zum letzten Bericht unserer Reise aus:

In Punta Arenas haben wir endlich Katja und Martin getroffen, die mit ihren beiden Moppeds seit Montreal und seit 20 Monaten unterwegs sind. Wir haben die beiden in Panama kennengelernt und seitdem versucht, uns irgendwo auf der Strecke zu treffen. Glenn, ein Moppedfahrer aus Belgien, war seit ein paar Tagen mit den beiden unterwegs. Zusammen haben wir dann die Nächte im Hostal in Punta Arenas durchgequatscht, bis morgens um 4 Uhr die Sonne aufging. Nach so vielen Kilometern hatten wir uns einiges zu erzählen… Am 15.12.2005 haben wir alle zusammen mit der Fähre die Magellanstraße gekreuzt und Feuerland erreicht. Dort gingen die ersten Kilometer auf und ab auf einer kurvigen Schotterstrecke an der Küste entlang vorbei an grünen Wiesen mit unendlich vielen Schafen. Es war total schön!

Nach etwa 140km haben wir die Grenze von Chile nach Argentinien überquert und sind in das nicht sehr schöne Städtchen Rio Grande gefahren, wo wir eigentlich nur eine Nacht bleiben wollten, um dann direkt weiter nach Ushuaia zu fahren. Aus der einen Nacht wurden allerdings 4; es war einfach zu gemütlich und die Besitzer des Campingplatzes, Rita und Carlos, waren super lieb. Zu dem Campingplatz am Club Nautico gehört ein ehemaliger Gymnastik-/Fitnessraum, in dem wir unsere Isomatten ausgebreitet und geschlafen haben, sodass wir uns wie im Schullandheim vorkamen. Außer uns 5 war noch Normen da, ein deutscher Moppedfahrer, der gerade aus Afrika nach Argentinien übergesetzt war. Am ersten Morgen dort wurden wir auch gleich vom lokalen TV-Sender interviewt (auf Spanisch!!), was noch am selben Tag ausgestrahlt wurde.

Jeden Freitag veranstaltet der Club ein Asado, einen Grillabend, wo alles mögliche auf die „Parilla“, den Grill, geschmissen wird. Dort haben wir Jorge kennengelernt, der uns für den nächsten Tag zum Reiten und tags darauf zu einer Rodeo-Veranstaltung eingeladen hat. Auch, wenn wir alle nicht so begeistert davon waren, wie die Pferde beim Rodeo behandelt wurden, war es doch mal eine interessante Erfahrung!

Da wir nach den 4 Tagen auch nicht sehr früh loskamen, haben wir die 220km von Rio Grande bis Ushuaia nicht geschafft, vor allem aber deswegen, weil wir eine schöne Strecke ab von der asphaltierten Straße genommen haben. So richtig wollten wir wohl nicht an unserem „Ziel“ ankommen… Am 20. Dezember haben wir es bei nasskaltem Wetter dann aber tatsächlich nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt geschafft, was zugegeben nicht wirklich schwer war, da die Straße fast komplett asphaltiert ist.

Von Ushuaia selber waren wir ziemlich enttäuscht. Es war total überfüllt mit Touristen, die sich in der Einkaufsstraße aneinander vorbeigedrängelt haben und einfach nur teuer. Auf den Campingplätzen standen Fahrzeuge mit deutschem, schweizerischem, englischem,… Kennzeichen und es war das erste mal seit langem, dass wir im Stau standen. So hatten wir uns das Ende der Welt eigentlich nicht vorgestellt! Wir waren erst ein wenig unentschlossen und wären am liebsten sofort wieder umgekehrt, sind aber letztendlich 3 Nächte geblieben. Eine Nacht haben wir im Nationalpark Tierra del Fuego (Feuerland) verbracht, wo auch das offizielle Schild „Fin del Mundo“, „Ende der Welt“ steht und das amerikanische Straßennetz endet. Der Park war sehr schön und definitiv eher so, wie „man“ sich das Ende der Welt vorstellt: Abgestorbene Baumstämme in einer grün, orange und roten Moorlandschaft, viele kleine Flüsse und verschiedenfarbige Lagunen. Dort, wo die Straße endet, hatten wir aber leider keinen Blick aufs offene Meer, weil dort viele kleine und größere Inseln liegen. Aber durch den grauen Himmel sah das ganze doch schön mystisch aus. Es war ein seltsames Gefühl, nach all den Monaten und Kilometern dort zu sein, aber die Gänsehaut blieb aus. Vielleicht war es letztendlich doch zu einfach, bis ans Ende der Welt zu kommen?! Da wir uns beide auf zu Hause freuen, waren wir auch in keinster Weise deprimiert oder wehmütig, wie wir es von anderen Reisenden gehört hatten.

Die nächste Nacht haben wir auf einem offiziellen Campingplatz etwas außerhalb der Stadt verbracht, wo sich zu Weihnachten die Motorradreisenden treffen. Es ist ja ganz nett, ein paar Erfahrungen auszutauschen, aber wenn den ganzen Abend darüber gefachsimpelt wird, wer mit welchem Reifen und welchem Profil wie viele Km macht und wer für welche Strecke wie lange gebraucht hat, wird es doch ziemlich nervig! Auch die Einstellung einiger, froh zu sein, endlich aus dem „schrecklichen Deutschland“ weg zu sein und nie mehr nach Hause zu wollen, konnten wir nicht teilen. Darum sind Henno und ich nach einer Nacht von dort geflüchtet und wieder nach Rio Grande zu Rita und Carlos gefahren, wo wir sehr herzlich wie alte Freunde empfangen wurden. Mit Katja, Martin und Glenn, die nachgekommen waren, haben wir dort Weihnachten gefeiert. Heilig Abend haben wir mit 9 Leuten an einer äußerst üppigen Tafel gesessen und uns um 23 Uhr mit großem Hunger – das späte Essen ist hier normal – aufs Essen gestürzt. Um 0.00 Uhr haben wir dann auf Weihnachten angestoßen, was uns eher an Silvester erinnert hat, und sogar Kleinigkeiten von den Gastgebern geschenkt bekommen. Von den Resten des Weihnachtsessens haben wir 2 Tage später noch gegessen, so dass wir auch einen Grund hatten, nicht – wie „geplant“ – am 25.12, sondern erst am 27.12. weiter zu fahren. Am 1. Weihnachtsfeiertag haben uns Rita und Carlos zu einem Schiffswrack und einem alten Leuchtturm geführt, den 2. Feiertag haben wir mit Kleinigkeiten an den Moppeds, Fotos brennen usw. verbracht. Der Abschied war mal wieder schwer, weil wir die beiden (und natürlich Hund Dina) wirklich ins Herz geschlossen hatten!

Am 27.12.2005 haben wir Feuerland wieder verlassen, was mit 2 Grenzübergängen verbunden ist. Um vom argentinischen Feuerland aufs argentinische Festland zu kommen, muss man durch Chile fahren. Das waren unsere letzten Grenzübergänge der Reise und da Dezember und Januar die Sommerreisemonate hier unten sind, mussten wir überall lange warten, was ziemlich nervig war…

Als wir auf dem Festland waren, haben wir die asphaltierte Ruta 3 genommen, die bis Buenos Aires durchgeht. Wirklich spannend war es dort nicht: bis zum Horizont (und noch weiter) geht die 3 meistens kurvenlos durch Steppe und Pampa. Es war ziemlich einschläfernd und auch noch anstrengend, weil der – meistens aus Westen kommende – Wind immer noch kräftig von der Seite gedrückt hat. Vor allem, wenn uns LKWs entgegenkamen, weil uns der Sog fast von der Straße bzw. die Böe geworfen hat. In Rio Gallegos haben wir uns von den anderen 3 Moppedfahrern verabschiedet, weil sie eine andere Strecke fahren wollten.

Um die langweilige Ruta 3 etwas interessanter zu gestalten, haben wir in San Julian Halt gemacht, wo der Nachbau eines Segelbootes steht, mit dem Magellan über den Ozean geschippert ist.

War schön! Danach haben wir uns einen versteinerten Wald angeguckt, was auch sehr interessant war; vor allem die Umgebung, die von der langweiligen Steppe zu einer wüstenähnlichen Canyonlandschaft gewechselt hat.

Danach kam die längste Tagesetappe unserer Reise: 600km nach Norden, der Sonne entgegen, durch fast kurvenlose Steppe. Gut, dass wir kein System haben, um miteinander zu sprechen, so konnten wir nur uns selber die nervigsten Ohrwürmer vorsingen! Aber man hat auch Zeit zum Nachdenken und uns wurde auf einmal ganz deutlich bewusst, dass unsere Reise wirklich in wenigen Tagen vorbei ist… Schon ein bisschen traurig!

Unser nächster Stopp war die Pinguinkolonie im Naturreservat Cabo Dos Bahias, wo sich kaum ein Tourist hinverirrt, weil es keine Touren oder Linienbusse dorthin gibt. Es war super schön, wir waren mit 3 anderen Menschen zwischen Hunderten (Tausenden?) von Pinguinen und mussten ziemlich über deren Tolpatschigkeit (der Tiere, nicht der anderen Touris!) lachen. Die sind echt süß!

Da es einige Tage vorher heftig geregnet hatte, konnten wir nicht die kleine Schlamm-/Schotterstraße an der Küste entlang nehmen, sondern mussten wieder auf die langweilige 3, die wir bis Puerto Madryn gefahren sind. Übers Motorradforum haben wir eine Einladung von einem Moppedfahrer aus Puerto Madryn bekommen, wo wir dann abends am 31.12. angekommen sind und dort mit Miguel, seiner Freundin Georgina, seiner Familie und einem anderen deutschen Moppedfahrer, Olaf, schön ruhig Silvester gefeiert haben. Das neue Jahr begann mit ziemlich viel Regen und fiesen 15°C, was natürlich mal wieder total ungewöhnlich ist für diese Zeit, weil es im Januar sonst sonnig ist bei 30°-35°C…

Nach 3 Tagen bei Miguel und Georgina haben wir uns wieder verabschiedet und uns wieder auf die langweilige 3 begeben, immer weiter Richtung Norden. Um wieder etwas Abwechslung in die Eintönigkeit der Steppenlandschaft zu bringen, sind wir bei San Antonio de Oeste von der 3 ab und an der Küste entlang gefahren. Die Landschaft war nicht viel interessanter, da es weiterhin durch die Steppe ging, aber nicht auf gutem Asphalt, sondern auf einer sehr sandigen und schottrigen Wellblechpiste mit Wanderdünen als Hindernis.

Nicht gerade die optimale Umgehung zur 3… Wir haben aber doch noch ein schönes Plätzchen am Meer gefunden, wo wir unser Zelt aufgebaut haben – wohl das letzte Mal ohne andere Menschen um uns rum. Nachdem wir am nächsten Morgen die Moppeds vom Strand geschoben hatten – was gar nicht so leicht war! – ging es weiter mehr oder weniger an der Küste entlang. Zum Abschluss hat sich Patagonien noch mal von seiner besten Seite gezeigt: Wind, ein bisschen Regen, dunkle Wolken und so ziemlich alles, was es an Fauna zu bieten hat: Strauße, Füchse, Gürteltiere und zu unserer Überraschung Tausende von gelb-blauen Papageien, die teilweise so unkoordiniert im Wind geflogen sind, dass wir mehrmals den Kopf einziehen mussten, um keinen umzufahren! Bei einem Abstecher zu einer Seerobbenkolonie (oder waren es Seelöwen?!), über denen unendlich viele Papageien mit lautem Geschrei hin und her geflogen sind, haben wir gehört, dass dort die größte Papageienkolonie der Welt ist. Die Vögel haben ihre Nester in den Wänden der Steilküste und waren wesentlich interessanter als die Seelöwen, die einfach nur dick und faul da lagen. Was für ein Leben!

In Viedma, einer nicht sehr interessanten Stadt, wollten wir nur eine Nacht bleiben und am nächsten Tag weiterfahren. Aber da das Wetter so gut war, haben wir kurzentschlossen einen Sonn- und Badetag am Rio Negro eingelegt – unser erster Badetag seit der Segelbootüberfahrt von Panama nach Kolumbien! Natürlich haben wir uns auch direkt einen kleinen Sonnenbrand geholt…

Der nächste Abstecher von der 3 ging in eine kleine Bergkette in den Touriort Sierra de la Ventana, wo wir außerhalb des Ortes auf einem Picknickplatz unser Zelt aufgeschlagen haben. Es war schön, mal wieder ein paar Berge anstelle von endloser Steppe um sich zu haben! Auch hier wollten wir nach einer Nacht weiter, aber als wir uns von unseren Campingnachbarn verabschieden wollten, haben die 3 Söhne Henno so lange mit Fußballspielen abgelenkt, dass wir abends unser Zelt 50m weiter neu aufgebaut haben.

Ein bisschen Zeit bis Buenos Aires hatten wir ja noch und es waren auch nur noch etwa 550km bis dorthin. Unsere letzte Übernachtung bevor wir in der Hauptstadt waren, war in dem kleinen Städtchen Las Flores, wo wir abends bei fast unerträglicher Hitze im Eiscafé saßen und der Dorfjugend beim „Showfahren“ mit ihren kleinen Moppeds zugeguckt haben. Die Stimmung hat uns ein bisschen an Südeuropa erinnert. Allerdings wurde die Hitze immer drückender und der Himmel immer dunkler…. Als wir im Zelt lagen kam ein heftiger Sturm auf, ein lautes Gewitter krachte genau über uns und es fing an wie aus Eimern zu schütten. Irgendwann ließ der Sturm nach und der Donner wurde leiser, aber es regnete immer noch. Das 2., 3. und 4. Gewitter zog über uns hinweg und es schüttete ohne Pause. Der Wasserpegel unter dem Zeltboden stieg an und irgendwann hatten wir eine Art Wasserbett. Immer, wenn Henno sich auf seiner Seite bewegt hat, habe ich mitgeschwankt. Langsam lies der Zeltboden das Wasser durch und wir fühlten uns auf unseren Isomatten an die schwimmenden Inseln vom Titikakasee erinnert (und es regnete immer noch). Die Nässe zog sich an den Isomatten entlang hoch und wir lagen auf den nassen Isomatten – und es regnete immer weiter. Alles, was nicht an der einen Schnur an der Zeltdecke hing, war wassergetränkt. Genau wie unsere Moppedklamotten, die in den (undichten) Seesäcken unter der Apside lagen. Die Sachen, die wir anhatten, Schlafsäcke, Haare, alles war triefend nass. Sehr erholsam war die Nacht nicht und der erste Blick aus dem Zelt war auch nicht wirklich erheiternd: das Zelt stand in einer etwa 30cm tiefen den ganzen Zeltplatz überdeckenden „Pfütze“. Eines jeden Campers Traum erfüllte sich in unserer letzten Zeltnacht. Vielleicht sollten wir noch erwähnen, dass es in der Region „natürlich“ der erste Regen seit über 4 Monaten war… Nachdem wir unsere Stiefel aus dem Wasser gefischt hatten, haben wir morgens einfach alles so wie es war eingepackt, irgendetwas trockenes (dazu gehörten nicht die Motorradklamotten!) angezogen und uns auf die letzten 200km nach Buenos Aires gemacht. Gut, dass es nicht so heiß war, weil Henno’s Hinterrad schon bis auf das Drahtgeflecht durch war und die Hitze dem wohl noch den Rest gegeben hätte. Nachdem wir uns bei grauem usseligem Wetter durch die runtergekommenen und armen Außenbezirke von Buenos Aires gearbeitet hatten, kamen wir der chaotischen Innenstadt näher. Es war echt anstrengend, weil es – für unsere Begriffe – keine Regeln oder so gibt. Oder wir haben sie einfach noch nicht durchschaut. An welcher roten Ampel müssen wir halten und an welcher dürfen wir ungebremst weiterfahren?? Müssen wir einfach nur nach dem Motto „Augen zu und durch“ fahren wie alle anderen, um weiter zu kommen?! Obwohl wir total übermüdet waren, sind wir heile im Stadtteil Florida, wo eine unter Motorradreisenden bekannte Werkstatt ist, angekommen, wo wir ein paar letzte Kleinigkeiten (Ölwechsel, Reifenwechsel hinten an der BMW…) gemacht haben. da es eh fast ununterbrochen geregnet hat, haben wir noch keinen schönen Tag zum Stadt angucken vergeudet. In der Werkstatt stehen einige Betten, wo wir die ersten Nächte verbracht haben.

Jaaa, mit unserer Ankunft in Buenos Aires geht für uns eine wahnsinnig schöne Reise mit vielen vielen sehr positiven und wenigen nicht so positiven Erfahrungen zu Ende. Wir haben 18 Monate, 16 Länder, etwa 65.000km, unzählige Bekanntschaften und Eindrücke ohne große Pannen hinter uns gebracht. Die kleinen Pannen – ohne die es wohl langweilig geworden wäre – kommen in die Kiste „Erfahrungen“… 😉 Die beiden Motorräder haben uns fleißig und ohne großes Mucken unterstützt – auch, wenn die BMW auf Feuerland einen kleinen „Schwächeanfall“ hatte und die Suzuki immer mehr Schrauben abwirft. Auf der letzten Schotterpiste wollte sie sich des hinteren Schutzbleches entledigen, das sich um den Hinterreifen gewickelt hat. Wir haben es dann erst mal hinten drauf gespannt. Aber alles in allem sind wir super zufrieden mit unseren Moppeds und würden sie jederzeit wieder mitnehmen! Wohin auch immer…?! Henno wird sein Motorrad erst mal in Buenos Aires lassen und im Juli wiederkommen, um seine 6 Wochen Sommerferien als Referendar zu nutzen. Die Suzuki fliegt am 18. Januar nach Frankfurt, wo wir sie 2 Tage später hoffentlich wohlbehalten abholen können.

Wir werden uns jetzt noch ein paar Tage bei hoffentlich besserem Wetter in und um Buenos Aires umschauen, bevor am 19. Januar 2006 unser Flieger nach Deutschland geht. Dem Ende der Reise sehen wir ganz klar mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen! So schön die Zeit auch war, so freuen wir uns auf zu Hause, auf unsere Familien und Freunde!!!

Einen Abschlussbericht über Buenos Aires und den Rest werden wir von zu Hause noch schreiben. Bis dahin wünschen wir euch einen schönen Winter bzw. Sommer, je nachdem, wo ihr gerade seid und grüßen euch aus Buenos Aires!

Eure Alex und Henno

PS: Leider hat unsere Digicam am Ende (in Sierra de la Ventana) noch den Geist aufgegeben, weswegen es nicht so viele Fotos gibt. Wir können euch nur wieder auf die Dia-Show irgendwann nach unserer Heimkehr vertrösten…

Buenos Aires – Niederkassel (zu Hause); 20.2.2006

Unsere Reise liegt nun etwa 5 Wochen hinter uns und zu unserem Erschrecken müssen wir sagen, dass es uns vorkommt, als sei es mindestens 5 Monate her! Sobald wir zurück waren, haben sich aber auch die Ereignisse überstürzt, so dass wir gar keine Zeit hatten, wehmütig zu werden. Aber jetzt erst mal zu den letzten Tagen unserer Reise:

An unserem dritten Tag in Buenos Aires – nachdem unsere Klamotten nach unserer Regennacht im Zelt endlich getrocknet waren – kamen auch Katja und Martin (das andere deutsche Pärchen, das mit Moppeds unterwegs war) in der Werkstatt an und wir haben 2 Nächte zusammen dort im Schlafraum verbracht. Da sich jeder zum Abschluss der Reise aber um seinen eigenen Kram kümmern musste, hatten wir gar nicht so viel Zeit füreinander. Aber zum Abschied von der Reise hatten wir ein schönes Abendessen in einem typisch argentinischen Steakhaus – mit Salatbar für die Vegetarier.

Nachdem wir insgesamt 4 (oder waren es 5??) nervige Nächte in dem Schlafraum in der Werkstatt verbracht hatten, waren wir froh, dass unser Freund Maurizio, den wir in Medellin, Kolumbien, kennen gelernt hatten, uns sein neues, noch leer stehendes Apartment in einer Apartmentsiedlung im Norden von Buenos Aires zur Verfügung gestellt hat. Leer hieß dort wirklich leer: nur das Badezimmer war komplett und wir hatten eine Spüle und einen Herd in der Küche. Geschlafen haben wir auf unseren Isomatten im „Schlafzimmer“. Direkt vor unserer kleinen Terrasse war ein Pool, den wir tatsächlich auch noch einen Tag nutzen konnten.

Überhaupt hat Maurizio uns super geholfen, und uns die schönsten und interessantesten Ecken der Stadt gezeigt – was bei einer 16 Millionen Stadt sehr hilfreich ist – und letztendlich konnte Henno auch sein Mopped bei Maurizio’s Bruder in der Garage für die nächsten Monate unterstellen.

Am 16. Januar haben wir die Suzuki mit voll gepackten Koffern und gemischten Gefühlen (wird sie auch heile ankommen??) zum Flughafen in Buenos Aires gebracht. Dort haben wir sie komplett wie sie war, auf eine Palette gerollt und mit tatkräftiger Unterstützung des Flughafenpersonals festgezurrt und quasi ihrem Schicksal überlassen. Im Gegensatz zum Hinflug konnten wir das Mopped an einem Stück lassen, aus Sicherheitsgründen wurde nur die Batterie abgeklemmt.

Am 18. Januar ist das Mopped nach Frankfurt geflogen, damit es am 20. auch für uns zum Abholen bereit war. Es war schon ein sehr seltsames Gefühl, mein Mopped dort stehen zu lassen und zu wissen, dass wir es in Deutschland (hoffentlich) wieder sehen würden! Wir haben das Motorrad übrigens mit der Lufthansa verfrachtet, was uns alles in allem etwa 800,- € gekostet hat und trotz unserer anfänglicher Zweifel und Sorgen waren wir echt zufrieden, wie gut alles lief!!

Als die Suzuki weg war, hatten wir Zeit, uns mit und ohne Maurizio noch ein bisschen die Stadt bei Tag und Nacht anzugucken.

Wirklich viel gesehen haben wir allerdings nicht. Aufgrund von schwülen 30°C und Dauerregen und -gewitter hat sich die Zeit in der Stadt vor allem auf Shoppen von Klamotten (vor allem Henno!) und Mitbringseln für Freunde und Familie beschränkt. Und zur Freude Henno’s haben wir auch einige Steakhäuser kennen gelernt, wobei er selbst die am Ende nicht mehr sehen konnte. Es ist aber wirklich unglaublich, was für Fleischmassen da an einem Abend über den Grill gehen!

Neben Einkaufen und Essen gehen haben wir versucht, dass Chaos in der „leer stehenden“ Wohnung zu ordnen und überlegt, was bei Henno’s BMW in Buenos Aires bleibt und was mit nach Hause kommt. In den letzten Monaten hatte sich doch einiges angesammelt, sodass wir uns echt gefragt haben, wie wir das die ganze Zeit mit uns rumgeschleppt haben?!

An unserem letzten Tag in Buenos Aires war es richtig schön warm und wir haben den Tag mit Lesen in der Sonne am Pool unserer Apartmentsiedlung und Packen verbracht. Wir fanden, dass wir uns das zum Schluss aber auch verdient hatten!

Am 19. Februar 2006 sind wir früh morgens mit dem Taxi zum Flughafen gefahren – müde und total aufgekratzt zugleich. Wir sind von Buenos Aires nach Sao Paolo geflogen, wo wir 5 Stunden Aufenthalt hatten und von dort in 12 langen Stunden nach Frankfurt. Dort wurden wir mitten auf dem Rollfeld von 10 Feuerwehrwagen empfangen, weil der Pilot die Warnmeldung erhalten hatte, dass eine Turbine unter Feuer steht. Als ob nicht alles schon aufregend genug gewesen wäre…! War aber letztendlich nur ein blinder Alarm und nachdem wir aus dem Flieger kamen und als erste unsere Taschen in Empfang genommen hatten, sind wir mit dem Bus zum Cargo-Bereich des Frankfurter Flughafen gefahren, um zu gucken, ob die Suzuki tatsächlich schon auf uns wartete. So war es dann auch. Es ging alles erstaunlich schnell und einfach: wir haben unsere Frachtpapiere vorgelegt, alles vom Zoll abstempeln lassen und total übermüdet und aufgekratzt die Suzuki in einwandfreiem Zustand mit dem Gabelstapler vorfahren lassen. Wie in Trance haben wir die Sicherheitsschnüre und die Schutzfolie runtergerissen, unsere Moppedklamotten angezogen und uns auf das total überpackte Mopped gesetzt, das angesprungen ist, als könnte es es nicht erwarten, nach Hause zu kommen!

Auch, wenn es ziemlich kalt war und genieselt hat, hat sich für uns zum Abschluss noch der Traum erfüllt, unsere Reise nicht am Flughafen zu beenden, sondern mit dem eigenen Mopped zu Hause vorzufahren!

Bei meinen Eltern in Niederkassel angekommen wurde uns vom „Empfangskomitee“ gleich ein Kölsch in die Hand gedrückt und viele viele Freunde haben uns zur gesunden Heimkehr gedrückt und beglückwünscht – es war total schön!!

Mit unserer gesunden Heimkehr ging eine super schöne, pannenfreie, erlebnisreiche,…. alles in allem einfach geniale Reise zu Ende und in dem Moment, wo ich das gerade schreibe, habe ich einen dicken Klos im Hals! Wir haben in den 18 Monaten auf den 65.000 Kilometern in allen Ländern, die wir zwischen Alaska und Feuerland bereist haben, nur gute Erfahrungen gemacht. Wir haben viele Menschen kennen gelernt, die uns sehr wichtig geworden sind und denen wir auch viele schöne Erlebnisse in deren Land und darüber hinaus zu verdanken haben. Wir haben auf der Reise auch gelernt, dass es wichtig ist, (Hilfe) einfach nur (an)nehmen zu können, ohne etwas dafür geben zu müssen – was in einigen Situationen sicher eher beleidigend gewesen wäre! Aber wir hoffen doch, dass wir viele von unseren Freunden, die wir auf der Reise getroffen haben, noch einmal sehen werden und ihnen dann auch mal unsere Heimat zeigen können.

Wir werden hier zu Hause natürlich oft gefragt, wo es uns am besten gefallen hat. Eine Frage, die wir mit einem Wort natürlich nicht beantworten können! Missen möchten wir kein Land der Reise, das mal vorweg. Landschaftlich haben uns Alaska, die Weite Kanadas, der Westen der USA, Teile Mexikos, die Vulkane in Mittelamerika, die Anden in Südamerika, die Wüsten in Bolivien und Chile, die Weite Argentiniens, um nur ein paar Beispiele zu nennen, gefallen. Besonders nett und herzlich waren die Menschen in Kolumbien – aber wie schon gesagt: wir haben in allen Ländern Freunde gefunden! Kulturell waren Mexiko, Guatemala, der Süden Kolumbiens, Peru und Bolivien sehr interessant und schön.

Ob wir diese Reise genauso noch mal machen würden? Im Grunde ja, allerdings würden wir aufgrund dessen, was wir gesehen und erlebt haben, sicher einiges anders machen. Weitere Fragen beantworten wir jetzt nur noch persönlich! 😉

Hier in Deutschland ging alles recht schnell. Henno hat am 1. Februar seinen Job als Lehramtsreferendar begonnen. Wir haben schon nach gut einer Woche eine Wohnung in Köln gefunden, wo wir es uns also jetzt gemütlich machen werden und ich werde am 1. März eine Vertretungsstelle an der Sporthochschule in Köln beginnen. Unsere Reise ist für uns schon sehr weit weggerückt und oft kommt es uns vor, als wären wir gar nicht weg gewesen, so schnell haben wir uns hier wieder eingelebt. Wir werden allerdings in den nächsten Tagen unsere Reisedias angucken, die wir noch gar nicht gesehen haben und dann wird die Reise hoffentlich wieder präsenter für uns sein. Von den aussortierten Dias wird es sicher auch eine kleine Dia-Show geben, von der wir euch dann vorher Bescheid geben werden.

Euch danken wir dafür, dass ihr uns immer auf unserer Reise begleitet habt und für die lieben und (manchmal nötigen) aufmunternden Kommentare als E-Mail oder Gästebucheintrag! Wir werden unsere E-Mail-Adresse behalten – auch falls ihr jemanden kennt, der ähnliches vor hat und Tipps haben möchte.

Wir verabschieden uns jetzt hiermit (zumindest bis zur nächsten Reise…) von unserem digitalen Tagebuch – wir werden es vermissen!! – und wünschen Euch alles Gute.

Eure Alex und Henno

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